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U2 in Köln: Alles dreht sich nur um Bono

U2 in Köln : Alles dreht sich nur um Bono

Die irische Band U2 bietet am Wochenende in der Kölner Lanxess-Arena zwei Abende lang ein fantastisches Programm für insgesamt über 35.000 Fans

Die beiden Frauen schauen sich ratlos an. Sie wollen den Bono sehen. Klar. Und am liebsten direkt nebeneinander sitzen. Um dann, wenn der Frontmann von U2 solche Sachen wie "Pride (In The Name of Love)" singt, ein Stück, das eigentlich Martin Luther King gewidmet war, an den Tim oder Tom oder Till zu denken, der 1984 Lara oder Lina oder Luise so schnöde verlassen hat, und sich Mia, Mara oder Monika als die beste Freundin von allen herausstellte. Noch ein Tränchen drücken, in Erinnerung an die alten Zeiten, sich ganz doll in den Arm nehmen, sich sagen, wie lieb man sich doch hat: "Du bist die Beste!"

Offiziell ist der doppelte Auftritt der irischen Band Samstag und Sonntag in der Lanxess-Arena längst ausverkauft. Aber zwei Karten für Lara oder Lina oder Luise und Mia, Mara oder Monika, direkt nebeneinander, das ginge Samstagabend um 18 Uhr am Ticketschalter 1 trotzdem noch. "Gute Plätze", sagt die Frau mit den graurot gestreiften Haaren an der Abendkasse. Aber 200 Euro pro Freundin? Für so'n ollen Tim oder Tom oder Till? Nee. Die Frauen drehen ab.

Blöde Entscheidung. Denn sie haben gerade auf das mit Abstand spektakulärste Konzert verzichtet, für das die Kölner Arena in den letzten Jahren als Schauplatz diente. Zwei Abende lang liefern U2 die volle Packung für insgesamt 35 000 Fans. Es gibt Brachiales mit dem Bono-Beau. Und das in jeder Hinsicht. Genial ist allein schon das Konzept für die mehr als zweistündige Zeit-Sause durch vier Dekaden. Am Anfang steht ein Fake. Und, in Verbindung mit dem Pressetext, der ein Konzert "in intimem Rahmen" ankündigt, fallen sogar die alten Hasen und die gut trainierten Zirkuspferdchen der Journaille drauf rein.

[kein Linktext vorhanden]Hinter der Bühne gibt es keine Leinwand. Vor minimalistischem Hintergrund brettern Paul David "Bono" Hewson, David Howell Evans, Larry Mullen jun. und Adam Clayton um 20.42 Uhr mit Verve in "The Miracle (of Joey Ramone)" vom letzten Album "Songs of Innocence & Experience" (2014). Dramaturgisch effektvoll eröffnet wird das von einem Bono, der mit Sonnenbrille, schwarzer Lederjacke und schwarzen Jeans, sexy, elegant, aber auch selbstironisch, über den Catwalk von der runden Extern-Bühne am einen Ende zur Hauptbühne auf der anderen Seite wechselt. Dort angekommen, kost er dann mit Hingabe eine riesige Glühlampe, die von der Decke herunter baumelt. Was soll das?

Beim vierten Stück - "Iris (Hold Me Close)" wird diese Frage dann beantwortet. Denn das, was da in der Mitte der Halle von der Decke hängt, und so aussieht wie ein gigantischer, allerdings sehr flacher Toaster, das ist die Leinwand. Eine, die sich herauf- und herabsenken lässt, beleuchten, begehen, bespielen und die stellenweise die Illusion vermittelt, hier würden spacige Hologramme der Protagonisten gezeigt. Als Iris, Bonos Mutter, starb, war er 14: "Und da wurde ich zum Künstler." Dieser Satz, auch das eine kolossale Neuheit, läuft als Simultanübersetzung entlang des unteren Rands der Multifunktionsleinwand. Während Iris, eine schlanke Dunkelhaarige, Runde um Runde in einem Film läuft, der sie längst überlebt hat. Am Ende zieht sich ihr Bild zusammen, um in eben jener Glühlampe weiterzuleuchten. Mütter sind Licht.

Und der Rest? Erinnerungen an Bonos Jugend in der Cedarwood Road, an den 17. Mai 1974, der mehr Todesopfer forderte, als jeder andere Tag in der irischen Glaubenskriegsgeschichte, ein Plädoyer für den Kampf gegen Aids und gegen die Bomben, ein Kompliment für uns Deutsche, die wir so gut zu Flüchtlingen sind. Plakative Botschaften auf dem Toaster-Screen ("Alles, was du weißt, ist falsch!", "Schuld ist nicht von Gott gemacht", "Rock'n Roll ist Unterhaltung - Bedienung nicht mit einbezogen!"), spektakuläre Video-Designs, wobei die Glühlampe leitmotivisch auftaucht.

Und dann kommt eine wunderschöne, akustische Sequenz mit David Howell "The Edge" am Piano, in der Bono "Every Breaking Wave" und "October" singt - und man ihn endlich mal, im großen Soundgewitter, richtig hören kann. Und, natürlich, um 22.30 Uhr, "Pride (In The Name of Love)". Die ganze Arena singt. Nur Lara oder Lina oder Luise und Mia oder Mara oder Monika können nicht mitsingen. Dumm gelaufen, Mädels.