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Rheinische Redensarten: Anna, ming Droppe

Rheinische Redensarten : Anna, ming Droppe

Der GA stellt schöne und bedeutungstiefe rheinische Redewendungen vor. Dieses Mal geht es um den Ausdruck: „Anna, ming Droppe“.

Manchmal birgt eine Bemerkung, ein Satz eine ganze Welt in sich. Dann ist dieser Satz wie ein Pinselstrich in der Malerei, wie eine hingeworfene Skizze. Der Verstand vervollständigt in diesem Falle einzelne, angedeutete Striche zu einem ganzen Bild. Im Reich der Wörter ist das meist nur möglich, wenn Sprecher und Hörer einen gemeinsamen kulturellen Horizont haben. Wenn sie eines bestimmten kollektiven Bewusstseins teilhaftig sind, eine gemeinsame gesellschaftliche Sozialisation genossen haben.

Einen solchen Fall haben wir bei der im Rheinland vorkommenden Redewendung: „Anna, ming Droppe“. Der Satz kommt sehr unauffällig daher und ist schnell für die Zugezogenen übersetzt: Anna, meine Tropfen.

Wer im Stoff ist, mag sich sofort an die großen, alten Kinofilme erinnern, die umständlich das Leben durchlauchter Kreise darstellten. Wenn dort eine unangenehme Überraschung vom Himmel fiel, ergab sich fast unausweichlich der Ohnmachtsanfall einer der anwesenden Damen. Jung oder alt war dabei einerlei. Wenn die Dame (selten bis nie war es ein Mann) erst einmal da lag, ohne Bewusstsein, dann wurde rasch nach dem Riechsalz gerufen, oder nach ein paar Tropfen belebender Tinktur, die, auf ein Taschentuch geträufelt und dem Opfer vor die Nase gehalten, die Lebensgeister wiedererwecken sollte. Meistens funktionierte das auch ganz gut, nicht zuletzt, weil die Ohnmacht in der Regel mehr gespielt als erlebt war.

Und genau jenen Akt des Theaterstücks tippt die Redewendung von „Anna und den Tropfen“ an. Folglich wird der Satz im rheinischen Alltag immer dann angewendet, wenn jemand vor Schreck droht, das Bewusstsein zu verlieren, ob nun wirklich oder vorgeblich. Der ausformulierte Satz müsste also in etwa lauten: Anna, reiche mir bitte meine Riechtropfen, mir schwinden die Sinne, weil ich mich über jenen Umstand sehr ereifere! Die genaue Beschaffenheit und der Inhalt des angesprochenen Umstandes sind allerdings frei austauschbar. Das macht den Satz, der übrigens 1976 in Form eines Karnevalsschlagers nachhaltig das Licht der Welt erblickte, auch so universell einsetzbar.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de