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Nach Einsturz des Stadtarchivs: Baufirmen müssen 600 Millionen Euro an Stadt Köln zahlen

Nach Einsturz des Stadtarchivs : Baufirmen müssen 600 Millionen Euro an Stadt Köln zahlen

Der Vergleich über die Begleichung des Schadens nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln steht fest. Die Einigung sieht vor, dass die am damaligen U-Bahn-Bau beteiligten Firmen der Stadt 600 Millionen Euro zahlen. Bei dem Einsturz am 3. März 2009 waren zwei Anwohner ums Leben gekommen.

Elf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist ein Vergleich über die Begleichung des Schadens unter Dach und Fach. „Ich bin wirklich erleichtert darüber, dass wir dieses schwierige Kapitel der Kölner Stadtgeschichte abschließen können“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) am Dienstag. „Damit schließen wir die juristischen Akten.“

Der Vergleich finanziere und sichere den Neubau des Historischen Archivs. Zwölf Millionen Euro pro Jahr würden in die Restaurierung der beschädigten Archivalien investiert. „Für die nächsten Jahrzehnte ist das gesichert“, sagte Reker. „Für die Stadt genauso wichtig ist der Weiterbau der Nord-Süd-Stadtbahn.“

Bei dem Einsturz am 3. März 2009 waren zwei Anwohner ums Leben gekommen. Unzählige historische Dokumente wurden verschüttet. Das Kölner Landgericht hatte 2018 geurteilt, dass das Archiv wegen eines gravierenden Fehlers beim Bau einer neuen U-Bahn-Haltestelle unterhalb des Gebäudes eingestürzt war.

Die Einigung sieht vor, dass die am damaligen U-Bahn-Bau beteiligten Firmen der Stadt 600 Millionen Euro bezahlen. Die gesamte Schadenssumme war von der Stadt Köln auf über eine Milliarde Euro veranschlagt worden. Die Firmen bauen außerdem die U-Bahnstrecke auf eigene Kosten zu Ende und errichten einen Gedenkraum für die Opfer.

„Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit über die Schadenshöhe und -ursache mit Bindung materieller und personeller Ressourcen konnte so vermieden werden“, sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Nord-Süd-Stadtbahn, in der die Baufirmen vertreten sind. Auch Stadtdirektor Stephan Keller sagte, dieses Ergebnis sei wirklich das bestmögliche gewesen, „die goldene Mitte“. Verkehrsdezernentin Andrea Blome sagte, Köln habe jetzt wieder das Selbstvertrauen, große Verkehrsprojekte in Angriff zu nehmen.

2018 begannen zwei Prozesse gegen insgesamt sechs Angeklagte - Mitarbeiter von Baufirmen und Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB). Kurz vor der Verjährung wurden ein KVB-Bau-Überwacher und ein Oberbauleiter wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt.

(dpa)