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Rheinische Redensarten: Besser en Lus im Pott als jar kee Flesch

Rheinische Redensarten : Besser en Lus im Pott als jar kee Flesch

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redewendungen vor. In dieser Folge: „Besser en Lus im Pott als jar kee Flesch“

Wir sind an mancher Stelle schon daran vorbei gekommen: Redensarten enthalten meist wichtige Ratschläge fürs Leben. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der folgende Satz uns durch eine Lehrerin ans Herz gelegt worden ist. Man erkennt es auch daran, dass er auf mehreren Bedeutungsebenen gleichzeitig unterwegs ist. Ein recht typischer Befund für die Kaste der hauptberuflichen Pädagogen. Er lautet (Trommelwirbel): „Besser en Lus im Pott als jar kee Flesch“.

Predigt der Genügsamkeit

Da könnte man meinen, der Satz predigt Genügsamkeit. Bedeutet er doch im Hochdeutschen: Besser eine Laus im Topf als gar kein Fleisch. Ja, wenn das Fleisch Mangelware ist, dann begnügt man sich am besten auch mit ganz wenig. Und dann ist Fleischbeilage einer Laus besser als gar nichts. So viel zur wörtlichen Bedeutung. Es ist ein bisschen so wie der Satz: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Der Rheinländer sagt an dieser Stelle übrigens gern: Mer weiß, wat mer hät, äver nit, wat mer kritt.

Keine nachhaltige Sättigung

Aber zurück zu unserer Laus, jenem Tier, das nun wirklich nicht viel Fleisch auf den Rippen trägt und eine nachhaltige Sättigung verspricht. Denn auf einer übergeordneten Ebene ist besagte Lehrerin unterwegs, wenn sie den Satz im Unterricht benutzt. „Wenn Schüler im Lateinunterricht mit viel Hilfestellung zumindest rudimentär eine Konstruktion oder ein grammatisches Phänomen verstanden haben, dann sage ich den Satz. Dies ist nämlich nicht selten der Beginn einer neuen Freundschaft zwischen Schüler und lateinischer Sprache“, so die Pädagogin.

Man merkt schon, dahinter steht die erwartungsvolle Hoffnung, dass ein Schüler nicht beim geringen Wissensfundus stehenbleiben muss, den er sich bisher angeeignet hat. Man merkt vielmehr, dass die Lehrerin ihm durchaus das Potenzial zuerkennt eine klar wahrnehmbare Lernkurve aktivieren zu können. Denn jeder noch so lange Weg beginnt mit einem ersten kleinen Schritt. Denn viel wichtiger als die Schrittweite ist da ganz sicher die Beharrlichkeit.

Die gesammelten Kolumnen gibt es im Buch „Rheinisch für Fortgeschrittene“. Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de