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Bonn In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Rheinische Redensart : Der lätt sich ierte en Bonnejärt om Kopp spetz maache

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: Der lätt sich ierte en Bonnejärt om Kopp spetz maache.

Wenn wir ausnahmsweise mal mit Klischees und Vorurteilen arbeiten, dann unterstellt man wohl dem Schwaben am ehesten einen besonderen Hang zur Sparsamkeit. Er dreht jeden Groschen viermal herum, bevor er ihn ausgibt. Ganz zu schweigen vom Euro.

Aber auch, wenn der Rheinländer als freigiebig und freigeistig gilt, nach Aschermittwoch ist es auch bei ihm mit dem gönnerhaften Ausgeben vorbei. Und dann kann er auch schon mal sehr sparsam sein. Und wenn es einer damit sehr ernst meint, sagt man schon mal redensartlich von ihm: „Der lätt sich ierte en Bonnejärt om Kopp spetz maache, als datt er ne Jrosche ussjitt.“ Das ist eine Aussage, die es an Klarheit nicht mangeln lässt und ein Sprachbild, dass an Plastizität nichts zu wünschen übrig lässt.

Übersetzt ins Hochdeutsche hieße das: Der lässt sich eher eine Bohnenstange auf dem Kopf spitz machen, als dass er einen Groschen ausgibt. Hier sind gleich mehrere Übertreibungen gleichzeitig am Werke.

Um zu verstehen, muss man wissen, dass im bäuerlichen Umfeld früherer Tage routinemäßig Bohnen angepflanzt werden. Und weil die stets hoch hinaus wachsen wollen, werden sie an langen dünnen Bohnenstangen gezogen, um die sich die Pflanzen winden. Doch vor das Wachsen und Gedeihen hat der liebe Gott das Säen oder Pflanzen gesetzt. Und auch die Stange möchte wetterbeständig eingebracht werden. Dazu muss sie mehrere Zentimeter in die Erde gestoßen werden. Da erleichtert es den Vorgang, wenn sie an der Unterseite angespitzt ist. Und das wird üblicherweise mit dem Beil vorgenommen.

Da kann man sich leicht vorstellen, dass man so etwas nur ungern auf dem eigenen Kopf tut – vor allem wegen der Verletzungsgefahr. Und schon gar nicht, wenn man es von jemand anderem fabrizieren lässt, vielleicht sogar jemandem, dem man nicht so sehr vertraut.

Der Gegensatz dazwischen, so etwas dennoch gegenüber dem Verschwenden eines Groschens zuzulassen, könnte kaum größer sein. Hier ist ganz offensichtlich nicht nur Sparsamkeit im Anmarsch, sondern Geiz. Und das ist fast schon schottisch.

Der General-Anzeiger und die VHS Bonn laden für Donnerstag, 12. März, ab 19 Uhr zur Lesung „Rheinisch für Fortgeschrittene“ mit GA-Autor Jörg Manhold. Mit dabei LVR-Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen und die Mundartband Rhingpirate im Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, Bonn. Eintritt frei, um eine Spende für die Aktion GA-Weihnachtslicht wird gebeten.