Brutaler Überfall in Zülpich 37-Jähriger nach internationaler Fahndung vor Gericht

Region · In Bonn steht jetzt ein 37-Jähriger wegen einen Überfalls auf ein Ehepaar in Zülpich vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord aus Heimtücke sowie gefährliche Körperverletzung – noch. Es könnte allerdings anders kommen.

 Vor dem Bonner Schwurgericht muss sich jetzt ein 37-Jähriger wegen eines brutalen Überfalls auf zwei Senioren verantworten. Symbolbild: dpa

Vor dem Bonner Schwurgericht muss sich jetzt ein 37-Jähriger wegen eines brutalen Überfalls auf zwei Senioren verantworten. Symbolbild: dpa

Foto: dpa/Peter Steffen

Nach dem Tod eines der Opfer kommt nun auch eine Verurteilung wegen Mordes infrage. Vor dem Bonner Schwurgericht muss sich seit Dienstag ein 37-Jähriger wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an einem rätselhaften Überfall auf ein Rentner-Ehepaar im Zülpicher Ortsteil Füssenich im vergangenen August verantworten. Derzeit lautet die Anklage auf versuchten Mord aus Heimtücke sowie gefährliche Körperverletzung – noch. Der Angeklagte soll die Tat mit weiteren, bislang unbekannten Komplizen begangen haben.

Zu Prozessbeginn wollte sich der Mann zunächst weder zu seiner Person noch zu den Vorwürfen äußern. Der Überfall im vergangenen Sommer hatte für Aufruhr in dem 800-Seelen-Ort gesorgt. In den frühen Morgenstunden des 15. August schliefen die 77 Jahre alte Frau und ihr ein Jahr jüngerer Mann in ihren Betten, als sich mehrere Personen mit einem Schlüssel Zugang zur Wohnung verschafften.

Anklage geht von Tötungsabsicht aus

Mit einem stumpfen Gegenstand sollen drei mutmaßliche Täter die schlafenden Senioren dann so brutal geschlagen sowie getreten haben, dass die Ankläger von einer Tötungsabsicht ausgehen. Zudem soll der Angeklagte die reglosen Opfer mit einem Nylonseil an den Handgelenken gefesselt haben, bevor er mit seinen Komplizen floh.

Die beiden Rentner überlebten den Überfall nur, weil es dem schwer verletzten Mann gegen fünf Uhr gelungen war, seinen Neffen anzurufen, der unverzüglich Polizei und Rettungskräfte benachrichtigte. Erst nach einer Woche auf der Intensivstation war das Paar soweit genesen, dass es den Tathergang schildern konnte. Der Mann ist allerdings nach einer zwischenzeitlichen Besserung verstorben. Ob sein Tod eine Folge des Überfalls ist, soll ein rechtsmedizinisches Gutachten klären. Dessen Inhalt ist aber bislang nur dem Gericht und den Parteien bekannt.

Er gehe davon aus, dass die Kammer nun auch eine Verurteilung wegen vollendeten Mordes in Betracht ziehe, sagte der Anwalt der Frau, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, vor dem Prozess. Und in der Tat sagte der Vorsitzende Richter Klaus Reinhoff, dass die Kammer bereits einen entsprechenden Hinweis erteilt habe.

Bereits in Großbritannien kriminell geworden

Die Eheleute lebten auf einer Hofanlage, in der sich neben ihrer Wohnung auch Betriebsstätten unterschiedlicher Gewerke befinden. Den Schlüssel sollen die Täter von einer zunächst mitangeklagten Person erhalten haben, deren Verfahren aber wegen noch laufender Ermittlungen abgetrennt wurde.

Schnell rückten nach der Auswertung von DNA-Spuren, die die Täter in der Wohnung hinterlassen hatten, drei Verdächtige in das Visier der Ermittler. „Sie stammen aus dem weiteren Bekanntenkreis der Familie“, hatte Polizeisprecher Michael Beyer im vergangenen September bestätigt. Der 37-jährige Angeklagte wurde im Rahmen einer internationalen Fahndung im September an der griechisch-bulgarischen Grenze verhaftet. In der Folge wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Wie die Polizisten auf die Spur des Verdächtigen kamen, erläuterte einer der Beamten dem Gericht als Zeuge: Die am Tatort gesicherte DNA lieferte nämlich einen Datenbanktreffer, weil der Angeklagte im Jahr 2009 in Großbritannien einen Ladendiebstahl begangen hatte. Über eine mögliche Beute oder Motive wurde noch nichts bekannt. Der Prozess ist zunächst bis Anfang Mai terminiert.

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