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Corona-Testzentrum am Flughafen Köln-Bonn: So arbeitet die mobile Teststation

Angebot für Reiserückkehrer : So arbeitet das Corona-Testzentrum am Flughafen Köln-Bonn

Das Virus soll draußen bleiben. Am Flughafen Köln/Bonn können sich Reiserückkehrer deshalb auf das Coronavirus testen lassen. Für Reisende aus Risikoländern ist der Test kostenlos. Vor Ort wächst der Andrang und die Warteschlangen werden länger. Einblicke in die Arbeit eines improvisierten Testzentrums.

Der Anblick des Mannes in weißer Schutzkleidung ist dann doch zu viel für das kleine Mädchen. Eben saß sie noch im Flieger aus Marokko. Nun sitzt Dania am Flughafen Köln/Bonn auf einem Stuhl im Einsatzfahrzeug der Johanniter und ein vollständig vermummter Mann will ihr ein zehn Zentimeter langes Teststäbchen in Nase und Rachen schieben. Da hilft es auch nicht, dass die Mama die Prozedur einmal vormacht und die Tante ihr gut zuredet - die Dreijährige klammert sich schreiend an ihre Mutter und vergräbt ihr Gesicht in deren Schulter. Der erste Versuch eines Corona-Tests bei dem Kind war erfolglos. Es sollen weitere folgen.

Hinter der furchterregenden Maske und dem Schutzanzug verbirgt sich Tjeerd Hoekstra, der mit seinen 79 Jahren noch ehrenamtlich für die Johanniter arbeitet und im mobilen Corona-Testzentrum am Flughafen Abstriche durchführt. 150 zählt er bereits gegen Mittag. Seine Schicht dauert von 7 bis 13 Uhr. Im Einsatz ist der in Bergisch Gladbach lebende Niederländer dennoch auch lange nach seinem eigentlichen Feierabend. Das sei für ihn immer noch besser, als daheim auf dem Sofa zu sitzen. „Ich muss einfach etwas tun und das hier ist eine sinnvolle Arbeit“, sagt er. Obwohl er mit fast 80 Jahren die meiste Zeit im Schutzanzug verbringt und dabei eine Atemmaske trägt, übernimmt er seine Aufgabe mit ungetrübter Leichtigkeit. „Das ist alles ganz einfach“, sagt er verschmitzt. „Nur mit Kindern wird es manchmal schwer, die haben oft Angst vor uns.“ Er selbst habe keine Angst - auch nicht davor, sich womöglich anzustecken.

Die Sorge vor Ansteckungen ist jedoch treibende Kraft hinter der Entscheidung, Menschen direkt am Flughafen testen zu lassen. Die Behörden befürchten, dass Reiserückkehrer das Coronavirus mitbringen und so für weitere Infektionsherde sorgen könnten. Reisende aus Risikoländern müssen sich deshalb bei den hiesigen Gesundheitsämtern melden und für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben - es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen. Das sollen bundesweit Testzentren an allen deutschen Flughäfen ermöglichen. 3416 Menschen (Stand Mittwochnachmittag) haben die Johanniter am Flughafen Köln/Bonn untersucht, seitdem sie am 18. Juli dort ihre Zelte aufgeschlagen haben. Nach Angaben der Stadt Köln fielen 17 Tests positiv aus. Bei 581 Testungen steht das Ergebnis noch aus. Fest steht schon jetzt, dass immer mehr Reisende das Angebot annehmen. Bis zu 500 Menschen sind es in Köln pro Tag. Nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern gilt inzwischen: Wer aus einem Risikogebiet einreist, kann den Corona-Test kostenlos in Anspruch nehmen. Alle anderen bezahlen 90 Euro dafür. Seit diese Regelung vor fünf Tagen in Kraft getreten ist, haben sich laut Stadt Köln 2795 Reisende aus Risikogebieten kostenlos testen lassen.

Leere Terminals und lange Schlangen am Testzentrum

Corona-Testzentrum am Flughafen Köln/Bonn testet Reiserückkehrer

Wer in diesen Tagen einen Flughafen betritt, dem bietet sich ein seltenes Bild. Ungewohnt leer und still ist es in den beiden Terminals am Köln-Bonner Airport zur Ferienzeit. Sämtliche Schalter sind unbesetzt, an der Gepäckkontrolle tippt lediglich ein Mitarbeiter gelangweilt auf seinem Handy. Vor einem Reiseschalter an Terminal 1 suchen zwei Englisch sprechende Männer mit vier Rollkoffern nach einem Mitarbeiter. Im Glasdach über ihren Köpfen hebt sich eine einzelne Passagiermaschine gegen den blauen Sommerhimmel ab. Zwischendurch hallt eine Durchsage aus den Lautsprechern und erinnert an Masken- und Abstandspflicht.

Lange Schlangen bilden sich dagegen vor dem Testzentrum am Fernbusbahnhof. Hier warten gegen 13 Uhr inzwischen mehr als Hundert Menschen auf einen Test. Die Szenerie mischt sich mit Motorenlärm und gelegentlichem Hupen vom angrenzenden Busbahnhof. Hauptsächlich kämen Reiserückkehrer aus Risikogebieten, sagt Nils Kirner, der das Testzentrum leitet. Ihren Anteil schätzt er auf 90 Prozent. Die weitaus meisten von ihnen würden aus der Türkei einreisen, gefolgt von Marokko. Daneben lassen sich auch viele Rückkehrer aus Spanien testen, das aber nicht als Risikoland gilt. Die Proben werden zweimal täglich ans Labor nach Köln geschickt. 24 bis 48 Stunden müssen die Probanden warten, bis sie das Ergebnis bekommen. Dieses kann per QR-Code am Handy abgerufen werden und wird zusätzlich schriftlich zugestellt.

Mitarbeiter testen rund um die Uhr

Mindestens drei Mitarbeiter stellen die Johanniter für jede Schicht, begleitet durch einen Arzt, den das Kölner Gesundheitsamt schickt. Der Testbetrieb läuft inzwischen rund um die Uhr. „In den letzten Nächten haben wir doppelt bis dreimal so viele Mitarbeiter eingesetzt, weil der Andrang so groß war“, sagt Kirner. Der 40-Jährige ist ständig gefragt. Der Flughafen, die Stadt und der Rettungsdienst wollen Absprachen treffen. Neue Absperrungen und Markierungen müssen installiert werden. Mit seiner roten Einsatzjacke ist er permanent Magnet für Fragen von Reisenden. Nebenbei sortiert er Kartons mit Schutzanzügen, Einmalhandschuhen und Desinfektionsmitteln - das Telefon dabei stets am Ohr. Fast täglich bis zu zehn Stunden arbeitet Kirner nun am Flughafen. Seine 20 Jahre Erfahrung im Rettungsdienst sollen dabei helfen, auch dieses neuartige Virus, dem eine rasante Ausbreitung über den gesamten Globus gelungen ist, aus dem privaten Umfeld fernzuhalten. „Wir haben hier alle reichlich Erfahrung mit erhöhter Grundhygiene“, sagt Kirner. Er würde sich mit Dienstkleidung nicht einmal in sein privates Auto setzen.

Penibel geht es auch in der mobilen Sanitätsstation zu, die vor ihrer jetzigen Nutzung schon bei Großveranstaltungen wie den Musikfestivals Summer Jam und Parookaville sowie den Kölner Lichtern zum Einsatz kam. Nach jedem Test gibt es deshalb eine so genannte Scheuer-Wisch-Desinfektion für die Oberflächen. Einmal pro Woche wird mit stärkerem Mittel eine Grund-Desinfektion durchgeführt. Ärzte weisen Pflegekräfte zunächst ein, bevor diese eigenständig testen. Das Teststäbchen in Nase und Rachen einzuführen ist ein Balanceakt: zu tief und es verletzt den Getesteten, nicht tief genug und der Test ist unzuverlässig.

Vor dem Einsatzwagen entbrennt derweil ein lautstarker Streit, für ein paar Minuten liegen die Nerven blank. Ein Mann mittleren Alters hat offenbar die Sorge, eine Frau mit Kind könnte sich vordrängeln. „Ich lasse Sie hier nicht dazwischen“, schreit er. „Fahren Sie doch woanders hin.“ Nach einem kurzen Wortgefecht räumt die Frau das Feld. „Ungewöhnlich“, kommentiert Kirner. „Das habe ich so noch nicht erlebt.“ Die Menschen würden sich durchweg sehr diszipliniert und gesittet benehmen. Und sie seien besser informiert als anfangs, was die Arbeit der Einsatzkräfte leichter mache.

„Eine andere Möglichkeit hatten wir nicht“

Fünf bis 90 Minuten warten die Reisenden, bis sie an der Reihe sind - je nach Andrang. Zuerst werden an einem Einsatzzelt die persönlichen Daten abgefragt und Kontaktdaten gesammelt. Dann geht es zum eigentlichen Test, der nur wenige Sekunden dauert. Bis zu „Das war schon unangenehm“, sagt Orhan Demir, der nach einer Geschäftsreise in der Türkei eingereist ist. Das Stäbchen werde schon sehr tief eingeführt. „Ich bin viel geschäftlich unterwegs“, sagt der 31-Jährige. In der Türkei sei der Test kostenpflichtig und die Warteschlangen sehr viel länger. „Das Angebot hier finde ich dagegen richtig stark“, sagt er. Sulejman Pepic, der mit Frau und zwei Kindern mit dem Auto aus Bosnien angereist ist, freut sich ebenfalls über das Angebot. „Eine andere Möglichkeit hatten wir nicht“, sagt der 49-jährige Busfahrer. Andernfalls dürften er und seine Frau, die Pflegerin ist, nicht zur Arbeit gehen.

Für die dreijährige Dania aus Marokko hat sich der Kampf um einen Corona-Test zwischenzeitlich auf die angrenzende Wiese verlegt. Auch gutes Zureden hat nicht geholfen und das Teststäbchen selbst in den Mund nehmen will die Kleine ebenfalls nicht. Wieder fließen Tränen, bis Mitarbeiterin Birgit Daum zur Hilfe eilt und eine Packung Fruchtgummis mitbringt. „Not macht erfinderisch“, sagt die 50-jährige Mutter von vier Kindern. Als sie dem Mädchen die Süßigkeit zusteckt, saust das Teststäbchen blitzschnell in den Rachen und zurück. Ein kurzer Aufschrei, dann ist das Kind wieder mit den Fruchtgummis beschäftigt - und ein weiterer Corona-Test liegt zur Abholung bereit.