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Rheinische Redensarten: Dä es ze doll für losszeloofe

Rheinische Redensarten : Dä es ze doll für losszeloofe

Der GA stellt schöne und sinntiefe Dialektredewendungen vor. Heute: Dä es ze doll für losszeloofe

Man fragt sich ja gelegentlich, ob so althergebrachte Redewendungen, wie es sie im Rheinischen gibt, überhaupt noch aktuell sein können. Oft stammen sie ja aus einer Zeit und einem Umfeld, das in keinster Weise mehr mit unserer modernen Welt zu vergleichen sind. Dennoch ist die Antwort unmissverständlich: Ja.

Es ist so ähnlich wie mit den Gleichnissen der Bibel, die im Zweifel schon 2000 Jahre und älter sind, weil sie aber im übergeordneten Sinne ganz spezifisch menschliche Konflikte und Universalthemen beschreiben, können sie gar nicht veralten.

Der muss angebunden werden

In dieser Hinsicht ist diese rheinische Redensart prototypisch: „Dä es ze doll für losszeloofe“. Und der Mundartsprecher, der uns diesen Satz geschickt hat, ergänzt noch: „dä moss anjebunge wääde“. Die Aktualität zeigt sich darin, dass der Leser hinzufügte: Das passte sehr gut auf Donald Trump!

Na, dann! Wir gehen mal in die Exegese, also in die Auslegung. Zu gut Hochdeutsch heißt der komplette Satz: Der ist zu verrückt, um loszulaufen, der muss angebunden werden! Wie so oft stammt die Redewendung aus der Welt des Bauernhofs und beschreibt zunächst einmal ein frisch geborenes Kälbchen. In der Regel sind die nach der Geburt einigermaßen ruhig und folgen ängstlich ihrer Mutter. Es gibt aber Exemplare, die sind so „doll“, dass sie hin und her springen, mal in die eine Richtung, mal in die andere. Man kann dann nicht von zielgerichtetem Verhalten sprechen. Dem Tier ist seine eigene Verrücktheit im Wege. Es kommt nicht wirklich vom Fleck, obwohl es voll überschäumender Energie ist, sie aber nicht sinnvoll zu kanalisieren weiß.

Charaktereigenschaften des Menschen

Und ja, tatsächlich: Solche Charaktereigenschaften lassen sich auch auf den Menschen übertragen, auf ganz spezielle Persönlichkeiten, auf die all diese genannten Eigenschaften ebenfalls zutreffen. Es sind meist solche, bei denen das Wollen stärker ausgeprägt ist, als das Können. Und wenn dessen Umwelt das zunächst nicht so richtig erkennt, kann es passieren, dass derjenige es zu etwas bringt. Im schlimmsten Fall sogar zu einem wichtigen Staatenlenker.

Hätten die Betroffenen das nur mal vorher gewusst. Wir Rheinländer können dagegen mit einigem Stolz behaupten: So etwas ist uns nicht fremd, unsere Sprache hat dafür sogar eine eigene Redewendung.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns per E-Mail unter der Adresse rheinisch@ga.de