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So geht Rheinisch: Dä süht uss wie dämm drüch Bruut singe Jung

So geht Rheinisch : Dä süht uss wie dämm drüch Bruut singe Jung

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Dä süht uss wie dämm drüch Bruut singe Jung.

Viele rheinische Redensarten sind schon vor Generationen entstanden. Mit anderen Worten: Sie sind schon ganz schön alt. Und nicht nur das, sie bilden dementsprechend auch gerne die Gedanken, Sorgen und Nöte der früheren Generationen ab.

Und so kann es sein, dass junge Zeitgenossen heute gar nicht mehr entschlüsseln können, was einst damit gemeint war. Insofern gehören diese Formen von Weisheiten zu einer Art Geheimsprache, die nur ältere Menschen entschlüsseln können. Aber das ist hier jetzt mal unser Service, dass wir behilflich sind.

Mager, ganz mager

Wir blicken auf den aussagekräftigen Satz: "Dä süht uss wie dämm drüch Bruut singe Jung." Diese Wendung ist schon rein grammatikalisch eine anspruchsvolle Konstruktion. Eingeweihte sprechen hier vom "rheinischen Genitiv". Er wird konstruiert   – und wer es nicht so mit Grammatik hat, der sollte jetzt mal weg hören – aus dem "Dativ mit sing". Die hochdeutsche Übersetzung müsste also regelgerecht lauten: Der sieht aus wie der Sohn des trockenen Brotes. Da der Rheinländer den besitzanzeigenden Genitiv aber verabscheut sagt er stattdessen: Der sieht aus wie dem trockenen Brot sein Sohn.

Das erinnert an eine aktuelle Diskussion aus Dortmund, wo die Partei "Die Partei" einen Platz "Unser-Omma-ihr-Platz" nennen möchte. Schließlich würden die Großmütter viel zu selten geehrt. Kann man machen, muss man aber nicht.

Zwei Formen des rheinischen Genitivs

Es gibt übrigens noch eine weitere Spielart des rheinischen Genitivs, und der wird konstruiert aus "Dativ mit von". Ein Beispiel gefällig? "Das Gesicht des Jungen" hieße dann "Dat Jeseesch vun däm Fent". Oder auf unser trockenes Brot bezogen: Der sieht aus wie der Junge von dem trockenen Brot.

Inhaltlich bedeutet das: Da ist einer sehr dünn. Ganz so wie eine trockene Scheibe Brot, ja, sogar wie der noch kleinere und dünnere Abkömmling der Scheibe. Und so können wir klar identifizieren, dass der Satz aus einer Zeit stammen muss, als eine Scheibe Brot so kostbar war, dass sie auch noch trocken gegessen wurde und wo es Menschen gab, die wegen Mangelernährung zur Untergewichtigkeit neigten. Das ist heutzutage sehr selten geworden.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“ auf allen Streamingplattformen und ga-bonn.de/podcast. Haben Sie eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de