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Das ist Rheinisch: Su lang beim Lommi die Leechter noch brenne!

Das ist Rheinisch : Su lang beim Lommi die Leechter noch brenne!

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Su lang beim Lommi die Leechter noch brenne.

Ein nicht allzu geringer Teil des rheinischen Selbstverständnisses steht in einem gewissen Zusammenhang mit der kölschen Kneipenkultur. Denn in der typischen Schankwirtschaft verbringt man(n) seit jeher einen erklecklichen Teil des Tages. Ja, vielleicht sogar den wichtigsten Teil, sortiert man doch dort argumentatorisch die Welt, übernimmt die Deutungshoheit zu gesellschaftlichen Strömungen und ist schlicht unter Seinesgleichen.

DIE Kölschkneipe schlechthin ist das Lommi. Der inzwischen verstorbene Wirt Hans Lommerzheim betrieb das Wirtshaus mit seiner Frau Annemie von 1959-2004 in der Siegesstraße in Deutz. Und weil das Lommi keineswegs geleckt daherkam, sondern vielmehr in einem baufälligen Gebäude residiert und das steinalte Interieur mit dem Belag von Jahrzehnten konserviert war, galt es als herausragende Kulturstätte der rheinischen Lebensart.

Ein Denkmal aus der Feder der Mundartband

Die Mundartband Miljö hat der Kneipe ein Denkmal gesetzt mit dem Lied: „Su lang beim Lommi die Leechter noch brenne.“ Zu gut Hochdeutsch: So lange beim Lommi die Lichter noch brennen.

Der Satz wird abgerundet mit der Wendung: So lang stirbt das Kölsche nicht aus! Nachdem Gastwirt Lommi aus gesundheitlichen Gründen Schluss gemacht hatte und kurz darauf gestorben war, herrschte folglich Alarmstimmung im Kölner Herzen. 2008 dann die Wiedereröffnung: Die Brauerei Päffgen, bei der Lommi einst ausgebildet worden war, hat das Haus gekauft und behutsam renoviert.

Es ranken sich viele Legenden

Es ranken sich so manche Legenden um den und das Lommi. Während seine Frau das Kölsch zapfte, verteilte er die Gläser aus dem Bierkranz. Allerdings konnte man bei ihm nicht bestellen. Lommi bestimmte, wer dran war. Er sprach nicht viel, behielt aber immer den Überblick.

 Hans Lommerzheim in Aktion.
Hans Lommerzheim in Aktion. Foto: Erwin Timmerbeil.

Als 1999 der US-Präsident Bill Clinton beim Weltwirtschaftsgipfel in Köln war und abends im Lommi vorbeischauen wollte, lehnte Lommerzheim ab. Die nötigen Sicherheitsvorkehrungen hätten zur Folge gehabt, dass die Stammgäste draußen bleiben müssten. Das kam gar nicht in Frage. Eine Prinzipientreue, für die ihn die Kölner lieben. Noch immer!

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“. Haben Sie eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de