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Rheinische Redensarten: Dat es ene Huhsecker

Rheinische Redensarten : Dat es ene Huhsecker

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redensarten des Dialektes vor.

Heute begeben wir uns einmal auf Herkunftsforschung eines interessanten Mundartwortes, das in vielen Gebieten nördlich der Ahr in unterschiedlichstem Gewande vorkommt.

Unsere rheinische Redensart lautet: „Dat es ene Huhsecker.“ Was das wörtlich und sinngemäß bedeutet, ist schnell geklärt. Auf Hochdeutsch: Das ist ein Hochpinkler. Das klingt erst einmal ein bisschen anrüchig. Es ist tatsächlich mit einer leicht beleidigenden Durftnote versehen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Abwertende Bedeutung

Geringschätzig tituliert wird damit ein Zeitgenosse, der sich für etwas Besseres hält. Natürlich handelt es sich hier um ein Gleichnis. Denn aus der Welt der Hunde weiß man, dass sie den Hang haben, beim Markieren ihres Zuständigkeitsbereiches möglichst hoch gegen die Mauer zu pinkeln. Damit soll dem Nachbarhund signalisiert werden: Ich bin groß. Du kannst ruhig Angst vor mir haben. Übrig bleibt, dass hier ein Wesen mehr darstellen möchte, als es tatsächlich ist. Und das gibt es nicht nur im Tierreich, ja es ist geradezu menschlich allzu menschlich.

Interessant ist die Wortgeschichte von „sicken“ oder „secken“. Das heißt wie oben erwähnt in erster Linie urinieren oder pinkeln. Übertragen hat sich das auch aufs Regnen. Es kann aber auch vorkommen, dass man damit jemanden bezeichnet, der wütend ist. Dann ist er „am sicken“. Das würde in der Reinform wohl zu übersetzen sein mit „angepisst sein“.

Aus dem Niederdeutschen

Wie Sprachforscher Peter Honnen in seinem Herkunftswörterbuch erläutert, stammt der Begriff vom niederdeutschen „seichen“ und ist schon im Grimmschen Wörterbuch enthalten. Die eigentliche Wurzel ist das althochdeutsche „sihan“, und das bedeutet „leise tröpfelnd fließen“. Das wiederum ist ein Wort, dessen Vorläufer aus der vorgermanischen Zeit stammt. Ein Begriff mit Tradition also.

Übrigens: Die rheinische Bezeichnung für die Ameise lautet „Seckomes“, burschikos übersetzt also „Piss-Ameise“. Wie man weiß, können die kleinen Krabbeltierchen zur Abwehr von Feinden einen unangenehm beißenden Saft absondern. Wenn man das erlebt, ist man ganz sicher „angesickt“.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf www.ga.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de