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Rheinische Redensarten: Dat es et net wert, dat mer et hemschlief

Rheinische Redensarten : Dat es et net wert, dat mer et hemschlief

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redewendungen des Dialekts vor. In dieser Folge: „Dat es et net wert, dat mer et hemschlief“

Manch überlieferte Lebensweisheit klingt, als sei sie tagesaktuell und hochbrisant. Das kann man immer wieder feststellen, wenn man sich etwa die Mühe macht, in der Bibel zu schmökern. Die Sprüche und der Prediger sind solche Beispiele aus dem Alten Testament. Hier ist die Rede von Universalweisheiten, die widerstandsfähig sind gegen den Lauf der Zeit. Auch unter den rheinischen Redensarten gibt es solche Fälle. Die klingen als seien sie gerade erst entstanden, so treffend sie eine aktuelle Entwicklung skizzieren.

Billig produziert

Unser Beispiel scheint sich auf den Umstand zu beziehen, dass ganz aktuell Dinge immer billiger produziert werden und dabei eine immer schlechtere Qualität haben. Wir hören aktuell, dass sich manche Altkleidersammel-Firmen von ihrem Kerngeschäft verabschieden, weil die Menschen immer mehr, aber immer schlechtere Kleidungsstücke in den Container werfen. Viele taugen nur noch, um als Lumpen oder Putzlappen benutzt zu werden. Da passt folgender Satz ganz ausgezeichnet: „Dat es et net wert, dat mer et hemschlief“. Zugegeben, das ist ein bisschen burschikos ausgedrückt, aber eben ganz eindeutig. Die Übersetzung ins Hochdeutsche: Das ist es nicht wert, dass man es mit nach Hause nimmt. Oder wörtlich: heimschleift.

Das despektierliche Verb „heimschleifen“ unterstreicht die unterstellte Wertlosigkeit des bezeichnetes Gegenstandes.

Einkaufsbummel vor Augen

Man kann sich also gut die Situation ausmalen, in der die Bemerkung zum Einsatz kommt: Man ist beim Einkaufsbummel, und plötzlich sieht man ein Kleidungsstück, das sehr schön aussieht und dabei auch noch äußerst preiswert ist. Da ist es nicht selten, dass man das Teil kaum anfassen kann, ohne dass es auseinander fällt. Denn es ist billig produziert, möglicherweise in irgendeinem Billiglohnland unter prekären Arbeitsverhältnissen.

Aber ganz offenbar gab es so etwas früher auch schon. Billig gemacht, keine Qualität, praktisch wertlos. Und zwar so sehr, dass es, selbst geschenkt noch zu teuer wäre. Dann sollte man es auf keinen Fall mit nach Hause nehmen.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de