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Rheinische Redensarten: Dat ess doch Flejepiss

Rheinische Redensarten : Dat ess doch Flejepiss

Der GA stellt schöne und sinntiefe Dialektredewendungen vor. Heute: Dat ess doch Flejepiss!

Wir müssen uns nochmal des Querschnittthemas Wetter annehmen. Durchquerte doch zuletzt ein Regengebiet nach dem anderen das Rheinland. Die Folge: Hochwasser im Rhein und an den Nebenflüssen. Wobei man korrekterweise sagen müsste, dass wir die meiste Zeit eigentlich Breitwasser und nicht Hochwasser hatten.

Nicht wie Anno 1784, als nach der Schneeschmelze nach einem harten Winter in Verbund mit den Auswirkungen eines Vulkanausbruchs die gesamte nördliche Hemnisphäre von einem Rekordhochwassser mit enormer Zerstörungskraft heimgesucht wurde. Wie dem auch sei, ganz so schlimm war es diesen Winter nicht, aber es war auch nicht schön. Erst recht, weil permanent Wasser vom Himmel nachkam. Das führte dazu, dass man noch nicht einmal Lust verspürte spazieren zu gehen.

Im Rheinland regnet es häufig

Für eine solche Wetterdisposition hat der Rheinländer so manchen Ausdruck parat. Eine sehr schöne rheinische Redewendung lautet: „Dat ess doch Flejepiss“. Die kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Regen nicht in Tropfen, sondern gewissermaßen in Molekülen fällt. Die hochdeutsche Übersetzung lautet: Das ist doch Fliegenurin. Um es vornehm auszudrücken. Wenn die Regentropfen so klein sind, dann sagt man gewöhnlich auch „et is am fissele“.

Ja, man kann dann quasi gar nicht davon sprechen, dass der Regen FÄLLT, weil er bei Lichte besehen einfach in der Luft stehen bleibt. Er ist so klein und leicht, dass er einfach nicht zum Boden fallen will. Dann ist die Luftfeuchtigkeit besonders hoch, und man muss kein Meteorologe zu sein, um zu verstehen: Bei dieser Wetterlage hilft auch kein Regenschirm! Es ist einfach usselich. Man möchte nicht aus dem Haus, sondern lümmelt sich lieber auf dem Sofa, dem Schäselong.

Köln-Bonner Bucht und ihre Trogwirkung

Man sieht schon: In der Köln-Bonner Bucht, in der durch die geografische Trogwirkung ein feucht-tropisches Klima herrscht, gibt es viele unterschiedliche Ausdrücke für den Oberbegriff Regen. Beinahe wie bei den Eskimos, die angeblich außerordentlich viele Wörter für die unterschiedlichen Schneesorten haben. Auch wenn Sprachforscher diesen Befund inzwischen in Zweifel ziehen, liegt es auf der Hand, dass man dort, wo ein bestimmtes Wetter häufig aber in unterschiedlichen Schattierungen vorkommt, eine genaue Differenzierung Sinn macht. Wir können also durch Analyse des rheinischen Sprachschatzes beweisen, dass es hierzulande viel regnet. Was zu beweisen war.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns per E-Mail unter der Adresse rheinisch@ga.de