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Euskirchener gesteht zum Auftakt in Mordprozess: Den Kopf der Ehefrau mehrfach auf das Laminat geschlagen

Euskirchener gesteht zum Auftakt in Mordprozess : Den Kopf der Ehefrau mehrfach auf das Laminat geschlagen

Ein 43-Jähriger aus Euskirchen steht seit Montag wegen Totschlags vor dem Bonner Schwurgericht. Laut Anklage soll er seine Frau Mitte September mit einem unbekannten Gegenstand erschlagen haben.

Vor Gericht schilderte der Chef des Angeklagten als Zeuge, wie sein langjähriger Mitarbeiter und Freund ihn am späten Abend des 12. September völlig aufgelöst anrief und bat, seinen zweijährigen Sohn zu sich zu nehmen. Der Grund: Er habe seine Ehefrau „geschlagen“ oder „umgebracht“. Das arabische Wort, das damals fiel, habe mehrere Bedeutungen, erklärte der Zeuge. Seit Montag steht der 43-jährige Angestellte aus Euskirchen, ein Tunesier, der seit Langem in Deutschland lebt, wegen Totschlags vor dem Bonner Schwurgericht. Laut Anklage soll er seine Frau an jenem Abend mit einem unbekannten Gegenstand geschlagen und so schwer verletzt haben, dass die 26-Jährige drei Tage später im Kölner Universitätsklinikum verstarb.

Angeklagter ist geständig

Gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages verlas Anwalt Michael Hakner eine Erklärung des Angeklagten: Er habe große Schuld auf sich geladen und werde seine gerechte Strafe annehmen, zitierte der Verteidiger seinen Mandante, und der Familie seiner Frau und seinem eigenen Sohn unfassbares Leid zugefügt. „Ich habe allen einen geliebten Menschen genommen“, erklärte der geständige Angeklagte. Lange habe er sich selbst nicht eingestehen können, was er getan habe und sich wie in einem Tunnel gefühlt. Dennoch: Es müsse so gewesen sein, dass er den Kopf seiner Frau mehrmals mit voller Wucht auf den Laminatboden der Wohnung geschlagen habe.

Nach der Tat rief der Mann offenbar sofort seinen befreundeten Chef aber auch den Notruf an. „Sie ist gestorben“ war deutlich auf der Aufnahme der Rettungsleitstelle zu hören, die das Gericht als Tonaufzeichnung vorspielte. Den kleinen Sohn nahm der Chef, wie vom Vater gewünscht, zunächst in seiner Familie auf. Der mittlerweile Dreijährige lebt nach dieser Zwischenstation aktuell bei einer befreundeten Familie, in der er dem Vernehmen nach auch bleiben soll. Das schwerverletzte Opfer wurde unverzüglich in das Kölner Uniklinikum gebracht, der mutmaßliche Täter in das dortige Gefängnis.

Nachfragen zu den Tatvorwürfen wollte der Angeklagte auf Rat seines Anwalts zunächst noch nicht beantworte. „Die werden aber kommen“, ließ die Vorsitzende Richterin Jeannine Dietzmann den gelernten Koch aber schon einmal wissen. Und sie würden sich insbesondere um die Frage „Was war vor den Schlägen auf den Boden?“ drehen. Die Anklage geht nämlich davon aus, dass der Täter seine Frau auch noch mit einem Gegenstand geschlagen hat.

Zu seinem Lebenslauf ließ der etwas zu reumütig auftretende Mann sich allerdings befragen. Nach dem gescheiterten Abitur in seiner Heimatstadt Sousse habe er eine Laufbahn als Koch eingeschlagen. In diesem Job habe er auch von 2001 bis 2004 bereits in Deutschland gearbeitet, bevor er dann für ein Jahr zurück in den Maghreb gezogen sei. Im Rahmen seiner Arbeit in einem Touristenhotel habe er dort seine erste Frau kennengelernt. Es sei zwar nicht seine große Liebe gewesen, aber weil die Frau schnell schwanger geworden sei, hätten sie geheiratet und seien nach einer Station in der Heimat der Frau ins Rheinland gezogen. Nach der Scheidung habe er dann seine wahre Liebe bei einem weiteren Aufenthalt in Tunesien kennengelernt.

Dem Gericht präsentiert sich der Angeklagte nach Kräften als guter Ehemann, der die Rechte seiner Frauen stets respektiert habe. Auf kritische Nachfragen der Vorsitzenden berichtete er dann allerdings doch zögerlich von Verhaltensweisen, die sich mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung nur schwer vertragen. Das Gericht will Anfang Mai eine Entscheidung treffen.