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Schuldneratlas: Der Handyvertrag ist eine Schuldenfalle

Schuldneratlas : Der Handyvertrag ist eine Schuldenfalle

Laut Schuldneratlas der Creditreform liegt die Schuldnerquote im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis bei rund sieben Prozent. Besonders gering ist die Quote in Wachtberg und Alfter.

„Eine typische Schuldenfalle für junge Erwachsene ist der erste Handyvertrag.“ Ralf Braun, Fachbereichsleiter Schuldnerberatung beim katholischen Verein für Soziale Dienste in Siegburg (SKM), weiß wovon er spricht: Jährlich greifen 1.400 bis 1.500 Menschen aus dem Rhein-Sieg-Kreis zum Telefon oder nutzen Sprechstunden und Onlineberatung, um die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch zu nehmen.

Die Klienten kommen aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten. Neben den jungen Erwachsenen im Alter von 19 oder 20 Jahren, für die Handys und andere elektronische Geräte ein Statussymbol darstellen, lassen sich vom Arbeitslosengeld-Empfänger bis zum Immobilienbesitzer, der seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen kann, Tipps für den Weg aus der Schuldenspirale geben.

Wie es um die Schuldnerquote im Rhein-Sieg-Kreis insgesamt bestellt ist, geht aus dem Schuldneratlas 2016 der Creditreform hervor. Mit exakt 9 Prozent ist die Quote im Rhein-Sieg-Kreis die zweitniedrigste in der vom Schuldneratlas erfassten Region Köln/Bonn. Nur der Kreis Ahrweiler liegt mit 8,61 Prozent noch darunter. Schuldner-Spitzenreiter ist die Stadt Köln mit 11,84 Prozent, die Bundesstadt Bonn liegt mit 9,11 Prozent im Mittelfeld des Untersuchungsgebiets.

Im Fünfjahresvergleich ist die Schuldnerquote im Rhein-Sieg-Kreis allerdings um insgesamt 0,31 Prozentpunkte leicht angestiegen. Positiver Spitzenreiter im gesamten Kreisgebiet ist, wie im Vorjahr, die Gemeinde Wachtberg. Hier beläuft sich die Schuldnerquote auf gerade einmal 6,01 Prozent und liegt 0,21 Prozent niedriger als 2015.

Gering fällt die Quote der Schuldner mit 6,94 Prozent auch in Alfter aus, wo ebenfalls ein kleines Minus von 0,05 Prozentpunkten zu verzeichnen ist. Swisttal steht mit einer Quote von 7,04 Prozent leicht besser da als Bornheim mit 7,60 Prozent und Meckenheim mit 7,54 Prozent. Während für Bornheim allerdings ein leichter Anstieg von 0,06 Prozent abgebildet ist, schneidet Meckenheim im Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von 0,04 Punkten ein wenig besser ab.

SKM hilft Betroffenen

Mit 14,64 Prozent ist die Schuldnerquote in Windeck rund doppelt so hoch wie in den meisten anderen Städten und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis. Immerhin ist auch hier die Quote erstmals seit 2012 mit minus 0,05 Prozentpunkten rückläufig.

Als überschuldet gilt laut Creditreform, wer seine Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitpunkt nicht begleichen kann und zur Deckung des Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten hat.

Wieder einen Überblick über die finanzielle Situation zu gewinnen, die Ausgaben zu verringern und einen Haushalts- und Tilgungsplan aufzustellen, sind die ersten Schritte, die die Schuldner mit Hilfe der Schuldnerberatung des SKM gehen können. Außerdem wird Hilfe bei der Kontaktaufnahme zu den Gläubigern angeboten, um Vereinbarungen wie Stundungen, Ratenzahlung oder Vergleiche zu treffen.

„In vielen Fällen helfen die klassischen Tipps, um nicht wieder in die Schuldenfalle zu geraten“, meint Ralf Braun. „Mit Bargeld zahlen statt mit Karte, sparen und nie mehr Geld ausgeben, als man verdient“, fasst der Schuldnerberater zusammen. Dazu gehört Disziplin. „Viele Anbieter locken mit günstigen Krediten, die den Kunden hinterhergeworfen werden. Hier ist es wichtig, ganz genau hinzuschauen.“

Zum Stichtag 1. Oktober 2016 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,06 Prozent gemessen. Damit sind über 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet, ohne dass sie Aussichten hätten, aus der Spirale herauszukommen. Im Ranking der Bundesländer positionierte sich Nordrhein-Westfalen 2016 mit einer Quote von 11,66 auf dem viertletzten Platz.