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Diakonie Michaelshoven: Stellenanzeige sorgt für Aufregung im Netz

Aufregung um Jobangebot : Diakonie in Köln erhält Morddrohungen nach Stellenanzeige

Die Diakonie Michaelshoven hat vergangene Woche eine Stellenausschreibung für eine pädagogische Fachkraft veröffentlicht. Seitdem erhält sie Droh- und Hassmails. Dabei geht es ihr gar nicht darum, Kinder von ihren Eltern zu trennen.

Eine Stellenanzeige der Kinder- und Familienhilfen Michaelshoven in Köln hat in den letzten Tagen für einen massiven Shitstorm im Netz gesorgt. Die Diakonie hat am 6. August im Auftrag des Kölner Jugendamts eine Stellenausschreibung veröffentlicht, in der eine pädagogische Fachkraft für eine „Inobhutnahme für Kinder und Jugendliche in Quarantäne“ in Köln-Porz gesucht wird.

Ein gefundenes Fressen für Gegner der Corona-Maßnahmen: Im Netz wurde die Stellenausschreibung heftig diskutiert. Laut Medienberichten wurde in Chatgruppen der Bewegung „Querdenken“ aufgerufen, sich auf die Stelle zu bewerben. Man solle auch nachfragen, welche Qualifikationen man mitbringen müsse, „um anständigen, fürsorglichen Deutschen die Kinder wegzunehmen.“ In einer Stellungnahme berichtete die Diakonie zudem von zahlreichen Hassmails bis hin zu Morddrohungen.

Dabei geht es gar nicht darum, Kinder und Jugendliche aus intakten Häusern zu nehmen, um sie in Quarantäne zu versetzen. Es handelt sich um ein Angebot der Kinder- und Familienhilfe, das bereits Anfang April geschaffen wurde. In ihrer Stellungnahme wies die Diakonie darauf hin, dass sie eine Fachkraft gesucht, die Kinder betreut „die entweder durch ihr häusliches Umfeld akut gefährdet sind oder bereits in einer Jugendhilfeeinrichtung leben und gegebenenfalls dazu noch infiziert sind.“ Die Kinder sollen nur vorübergehend in separaten Gruppen untergebracht werden bis geklärt sei, ob eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt.

Ob Kinder und Jugendliche in Obhut genommen werden, liegt allerdings nicht im Aufgabenbereich einer Diakonie. Diese Entscheidung obliegt den jeweiligen Jugendämtern.

Kinderschutzbund kritisiert Gesundheitsämter

Vergangene Woche hatte der Kinderschutzbund Anordnungen von mehreren Gesundheitsämter kritisiert, Kinder mit Corona-Verdacht innerhalb der Familie zu isolieren. Mittlerweile hat etwa der Kreis Offenbach, in dem ein solches Schreiben verschickt wurde, klargestellt, dass er eine Trennung von Kindern und Eltern keinesfalls beabsichtigt. Der entsprechende Absatz in derartigen Schreiben sei üblich und rechtlich notwendig.