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Rheinische Redensarten: Do kanns en Nonn ussem Kluhste quassele

Rheinische Redensarten : Do kanns en Nonn ussem Kluhste quassele

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redensarten vor.

Einen Charakterzug des Rheinländers haben wir noch gar nicht ausreichend gewürdigt. Wir hatten immer mal wieder festgestellt, dass der handelsübliche Ureinwohner des Gebietes zwischen Düsseldorf und Koblenz gerne und viel redet. Aber es ist nicht nur die Quantität, die hier eine bedeutende Rolle spielt, sondern auch die Qualität. Denn so ein Rheinländer kann sehr überzeugend sein. Und genau für diesen Sachverhalt hat sich eine rheinische Redensart etabliert, die besagt: „Do kanns en Nonn ussem Kluhste quassele“.

Katholisches Themenspektrum

Der Satz ist leichterhand übersetzt: Du kannst eine Nonne aus dem Kloster quasseln. Der tiefere Sinn erschließt sich ebenfalls leicht. Man kann als typisch bezeichnen, dass der Rheinländer bei seinen Gleichnissen (sic!) gern auf das katholische Themenspektrum zurückgreift. Die Nonne an sich darf ganz sicher als Symbol der Standhaftigkeit betrachtet werden. Hat sie doch ganz bewusst ein Bekenntnis zu Gott abgelegt, das sie von einem herkömmlichen bürgerlichen Leben trennt. Es dürfte als eine der schwierigsten Herausforderungen gelten, eine Nonne davon zu überzeugen, das Klosterleben hinter sich zu lassen. Wer das schafft, der bewältigt auch weniger schwierige rhetorische Probleme.

Achtung: Spitzbuben

Aktuell passt der Satz etwa auf die Spitzbuben, die mit dem Enkeltrick unterwegs sind. Sie rufen ältere Herrschaften an, behaupten sie seien deren Enkel und bitten um einen Geldbetrag in nennenswerter Höhe. Wer das schafft, muss schon eine ausgezeichnete Überredungskunst am Leib haben.