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GA-Serie „Rheinische Redensarten“: Do luhrs us wie ne Äezebär

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Do luhrs us wie ne Äezebär

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen. Dieses Mal: Do luhrs us wie ne Äezebär.

Die Lust an der Verstellung ist dem Rheinländer in die Wiege gelegt. Ihm reicht es nicht zu sein wie er ist. Er kann immer auch anders. Kein Wunder, dass für ihn das Fest der Feste die fünfte Jahreszeit ist – Karneval. Singen, tanzen, lachen, Kamelle, Bütt und Bützjer, de Zoch, Stippeföttche und – nicht zu vergessen – das Wichtigste: das Kostüm. Endlich kann man sein, wie man immer sein wollte. Als Cowboy den Colt schwingen, als Indianer in Kriegsbemalung gehen, als Clown die Leute bespaßen, als Robin Hood den Reichen nehmen, was den Armen gehört.

In diesen Tagen kann es passieren, dass der Satz fällt: „Do luhrs us wie ne Äezebär.“ Was zu gut Hochdeutsch so viel heißt wie: Du siehst aus wie ein Erbsenbär. Aber was um himmelswillen ist ein Erbsenbär. Die Antwort führt uns in die Geschichte, denn der Erbsenbär gilt als die älteste Kostümierung überhaupt. Meist stecken junge Männer darin, die mir verdorrten Erbsensträuchern behangen aussehen, wie ein schrecklicher Bär. Oft wird er von einem weiteren Mann an der Kette gerführt.

Wie Brauchtumsforscher Alois Döring vom Landschaftsverband Rheinland erforscht hat, ist der Äezebär im Bonner Land beim sogenannten Heischeumzug – manche kennen ihn als Köttzoch – auf der Straße getanzt. Die verkleideten jungen Leute sammelten Speck, Eier, Wurst und Geld und sangen das Liedchen „Huh Fastelovend! Schnick mir e Stück vom Broode, Schnick e Stöck vom decke Speck, dat ich ens kohre, wie dat schmeck“. Solche Äezebär-Umzüge gab es im Linksrheinischen bis in die Eifel hinein mindestens bis Ende der 30er Jahre. Bis in die 1950er Jahre sind sie auch noch in Dünstekoven nachgewiesen.

Heute gilt der Äezebär, oder Eazebär, wie er auch geschrieben wird, als zentrale Figur eines Umzuges als weitgehend ausgestorben. Lediglich in Lohmar und Wachtberg-Pech ist sein vorkommen noch endemisch, was so viel heißt wie isoliert vorhanden. Laut Brauchtumsforschern soll das Kostüm den Winter darstellen, der auf diesem Wege ausgetrieben wird.

Der General-Anzeiger hat die neuen Kolumnen unter dem Titel „Rheinisch für Fortgeschrittene“ veröffentlicht. Das Buch ist im Handel erhältlich. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de