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Rheinische Redensarten: Do sin isch nit fies vüür

Rheinische Redensarten : Do sin isch nit fies vüür

Wir stellen schöne rheinische Redensarten vor und erläutern, was sie bedeuten, wann sie eingesetzt werden und mit welchen Erinnerungen sie verknüpft sind.

Den Rheinländer bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Was für manch einen beunruhigend ist, oder wenigstens ein mulmiges Gefühl verursacht, das geht der Einheimische zwischen Koblenz und südlich von Düsseldorf mit Mut an.

Es gehört zu seinem Alltagsgeschäft, Unerschrockenheit zu dokumentieren. Zu dieser Grundhaltung passt sehr gut die rheinische Redensart: „Do sin isch nit fies vüür.“ Hinterbracht hat uns diesen Satz eine Leserin, die selbst ursprünglich nicht aus dem Rheinland stammt, sich aber im Laufe der Jahrzehnte sehr gerne assimiliert hat.

Sie erinnert sich an eine Begebenheit, dass ihr ein Handwerker – wohlgemerkt: ein rheinischer Handwerker – die Dusche repariert hat. Als es um das Sieb im Siphon ging, sagte sie: Das mache ich wohl lieber selbst sauber. Diese möglicherweise unappetitliche Aufgabe wollte sie dem Mann nicht zumuten. Doch der konterte mit dem Satz: Do sin isch nit fies vüür.

Eine erste Annäherung ans Hochdeutsche lautet: Da bin ich nicht fies vor. Das ist natürlich eine interessante Konstruktion, denn das Verb steht hier überraschenderweise im Plural. Nicht: ich bin, sondern: ich sind. Das ist nicht selten im Rheinischen, dass der Sprecher sich als so vielfältig betrachtet, dass er den Pluralis majestatis verwendet. Wahrscheinlich denkt er: ich, das sind „me, myself and I“. Das sind wir schon drei.

Ebenfalls bemerkenswert ist das Wort fies, das ein starkes Gefühl repräsentiert. Es ist zu übersetzen mit „eklig“ oder „ekelerregend“. Ein ebenfalls gern genutzter Satz ist: Der ist aber vor gar nix fies. Im Raum Köln und nur hier wird das Wort auch als Verb benutzt. Vor dem fiese ich mich, bedeutet: Vor dem ekele ich mich.

Es kann aber auch in einem anderen Zusammenhang heißen: böse oder sehr. Ein fieser Kerl, ein fieser Möpp hat keine gute Seite an sich. Und wenn man sich fies vertan hat oder fies gefallen ist, dann ist das schon eine gute Stufe dramatischer als üblich. Der Handwerker aus unserem Beispiel dagegen wollte wohl einfach sagen: Lassen Sie mal, ich mach das schon. Den Satz aber fanden die Familienmitglieder so reizend, dass er bei ihnen ins allgemeine Sprachrepertoire Eingang fand.

Der General-Anzeiger und die Etition Lempertz haben die neuen Kolumnen unter dem Titel „Rheinisch für Fortgeschrittene“ veröffentlicht. Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“ auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de