1. Region
  2. Köln & Rheinland

Das ist Rheinisch: Drusse usselich un drinne muckelich

Das ist Rheinisch : Drusse usselich un drinne muckelich

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Drusse usselich un drinne muckelich.

Was soll man sagen, sie ist irgendwie schlimm, diese Zeit. Nach Weihnachten und Silvester will die Sonne so gar nicht mehr aufgehen. Auch, wenn jetzt angeblich die Tage wieder länger werden. Aber die Wolken hängen schwer und fisseln praktisch im Dauermodus.

So jedenfalls könnte man das Gefühl des Rheinländers beschreiben, der noch nicht mal positive Impulse aus dem karnevalistischen Umfeld erwarten darf, weil aktuell alles brachliegt. Da könnte ohne Weiteres ein Satz aus dem Dialekt ins Spiel kommen, der die Großwetterlage wohl am besten beschreibt: „Drusse usselich und drinne muckelich“.

Nicht ins Hochdeutsche übersetzbar

Das ist wieder einer dieser Sätze, die streng genommen überhaupt nicht ins Hochdeutsche zu übertragen sind. Er spricht in besonderer Weise die Gefühlsdisposition an und tut das mit klanglichen Mitteln. Das U als dunkler Vokal spielt hier eine besondere Rolle. Er repräsentiert, was der Satz suggeriert: Es ist nicht schön!

Wenn wir uns trotz der Unmöglichkeit mal an eine Übersetzung wagen, dann könnte es heißen: Draußen ist es so dunkel nasskalt und drinnen schön gemütlich warm. Man merkt daran schon, dass eine weitaus ausschweifendere Übersetzung das leisten muss, was im Dialekt kurze Vokabeln schaffen.

Nicht einfach nur Regenwetter

Denn wenn der Rheinländer von „usselich“ spricht, dann ist damit nicht einfach nur Regenwetter gemeint, sondern wirklich eine nasskalte Witterung, bei einem die Feuchtigkeit förmlich in die Poren dringt. „Muckelich“ dagegen ist eine häusliche Wärme, die praktisch nur ein Kohle- oder Holzofen garantieren kann. Heizungsluft ist in diesem Bedeutungsspektrum viel zu unpersönlich.

Usselich und muckelich sind also ein Gegensatzpaar, das sich gegenseitig bedingt, denn ohne usseliches Wetter draußen, keine muckeliche Atmosphäre drinnen.  Interessanterweise bezeichnet der Wortstamm Muckelich nicht nur die heimelige Wärme, sondern auch eine dralle, rundliche Person.

Dick und gemütlich

Daher stammt auch der Kosenamen Muckel. Begriffsvorläufer finden sich auch im Frühniederländischen und im Mittelhochdeutschen mit der Doppelbedeutung: dicker Klumpen und plumper Mensch. Am Ende folgen „dick“ und „gemütlich“ aus den Worten muckelich und mollich. Aber wie dem auch sei: Hauptsache man friert nicht!

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“ auf allen Podcastplattformen und ga.de/podcast. Haben Sie eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de