1. Region
  2. Köln & Rheinland

Ausstellung zur Kinogeschichte im Kölnischen Stadtmuseum: Ein magischer Ort

Ausstellung zur Kinogeschichte im Kölnischen Stadtmuseum : Ein magischer Ort

Die Ausstellung „Großes Kino“ im Kölnischen Stadtmuseum erzählt 120 Jahre Kölner Kinogeschichte: Von den ersten Filmvorführungen in Köln bis hin zur prunkvollen Ausstattung der Kinosäle.

Gerade einmal 50 Sekunden dauert die Filmaufnahme in Schwarz-Weiß: Männer und Frauen kommen aus dem Kölner Dom. Wie immer weht ein heftiger Wind über die Domplatte, weshalb sich die Passaten ihre Hüte festhalten müssen. Mit schnellen und staksigen Bewegungen laufen sie quer über den großen Platz. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahre 1896 und ist eine von insgesamt vier kurzen Filmsequenzen, die in der neuen Sonderausstellung „Großes Kino! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte“ im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen ist. Bebildert und erzählt wird Kölns 120-jährige Kinogeschichte mit über 150 Originalexponaten. Ein Großteil davon stammt aus Privatbesitz – meist von Sammlern, die früher selbst ein Kino besessen oder als Filmvorführer gearbeitet haben.

Die Ausstellung ist in zehn Epochen gegliedert. Sie beginnt mit der Erfindung der französischen Brüder Auguste und Louis Lumière, die im 19. Jahrhundert einen Apparat mit integrierter Filmkamera und Filmprojektor (Cinématographe) entwickelt haben. Dieser faszinierte den Kölner Schokoladenfabrikanten Ludwig Stollwerck (1857-1922) so sehr, dass er die zwei Erfinder nach Köln holte und dort die deutschlandweit erste Filmaufführung veranstaltete. Die fand am 20. April 1896 statt. Allerdings konnte das Publikum noch keine Aufnahmen von Köln sehen, stattdessen die Einfahrt eines Zuges in den französischen Bahnhof La Ciotat. Die Blütezeit des Kinos und der Filme bildeten die 1920er Jahre.

„Die Gebäude hatten aufwendige Fassaden. Nicht nur die Filme sollten anlocken, sondern auch die Architektur der Kinos. Und drinnen erinnerte alles an einen großen Opernsaal. Es gab sogar Logen für die Zuschauer“, sagt Kurator Sascha Pries. Damals fanden in einem Kinosaal über 1000 Gäste Platz. Zum Vergleich: Der größte Kinosaal des „Cinedom“ im Kölner Mediapark bietet 705 Plätze. Heute existieren im Kölner Stadtgebiet nur noch 14 Kinos mit insgesamt 43 Leinwänden. 1925 waren es 40 Spielhäuser. Während 2014 rund 2,3 Millionen Besucher in die Kölner Kinos strömten, zählten die Filmtheater in der Mitte der 1920er Jahre mehr als doppelt so viele Zuschauer.

Damit auch jeder von der neuen Erfindung profitieren konnte, gründete der Kölner Unternehmer Paul Jockel das „Kino für Jedermann“. „Zu jeder Eintrittskarte gab es noch einen Humpen Bier“, sagt Kurator Pries. Das Marketingkonzept ging auf: Am Ende besaß Kinokönig Jockel 13 Lichtspielhäuser in der Stadt. Doch bald musste er Konkurs anmelden, weil der Stummfilm dem Tonfilm wich und er kein Geld für die technische Umrüstung hatte.

Durch die Nazis wurde das Kino auch für die politische Propaganda ausgenutzt. Allein den Film „Olympia“ von Leni Riefenstahl aus dem Jahre 1938 sollen in Köln damals 60 000 Schüler gesehen haben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde bereits 1947 das erste Spielhaus in der Kölner Innenstadt wiedereröffnet.

Zusammen mit den zwei Autorinnen des Bildbandes „Kino in Köln. Von Wanderkinos, Lichtspieltheatern und Filmpalästen“, Marion Kranen und Irene Schoor, ist die gezeigte Ausstellung entstanden. „Drei Jahre haben wir an dem Buch gearbeitet. Unser Ziel ist es zu zeigen, was für ein magischer und besonderer Ort das Kino damals war und heute noch ist“, erklärt Kranen.

Die Ausstellung „Großes Kino! 120 Jahre Kölner Kinogeschichte“ ist noch bis Sonntag, 6. November im Kölnischen Stadtmuseum, Zeughausstraße 1-3 zu sehen. Das Museum hat Dienstag von 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr sowie an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Weitere Infos unter www.museenkoeln.de.