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Rheinische Redensarten: Em Alter höllt alles aff, nur de Vürwetz höllt zo

Rheinische Redensarten : Em Alter höllt alles aff, nur de Vürwetz höllt zo

Der GA stellt geistreiche und witzige Dialektredewendungen vor. Diesmal: Em Alter höllt alles aff, nur de Vürwetz höllt zo!

Wenn man mit dem rheinischen Dialekt zu tun hat, dann kommt unweigerlich irgendwann die Frage: Und wie schreibt man das? Da kann man noch so oft hören, lesen oder sagen, dass es sich bei der Mundart, wie der Name schon nahelegt, um eine mündliche, eine gesprochene Sprache handelt.

Der Wunsch zu wissen, wie es denn nun „richtig“ geschrieben wird, ist offenbar übermächtig. Dabei existiert schlicht keine verbindliche Schreibweise. Und das hat auch damit zu tun, dass in den unterschiedlichen rheinischen Gefilden die Mundartbegriffe zwar eine Familienähnlichkeit aufweisen, aber doch oft von Ort zu Ort verschieden gesprochen werden. Die Bonner klingen sanglicher als die Kölner, und die Walberberger – die ja geografisch dazwischen liegen – rollen das R wie bekloppt. Ich sage nur: Vürrrrrrjebirrrrrrsch (Vorgebirge)! Und dann gibt es Gegenden, die bestimmte Vokabeln ganz anders einsetzen.

Holen steht für Nehmen

Das zeigt sich besonders schön in der rheinischen Redensart: „Em Alter höllt alles aff, nur de Vürwetz höllt zo“. Was soll das heißen? Wir nehmen uns mal die Lupe in die Hand und begutachten das Wort „höllt“. Das heißt nämlich „holen“. Aber nicht nur! Wie der inzwischen leider verstorbene Kustos des bönnschen Dialekts, Herbert Weffer, einst bemerkte: „In vielen Gegenden des Rheinlandes wird nichts gebracht und nichts genommen, sondern es wird fast alles geholt.“

Kurz gesagt: holen steht auch für nehmen und bringen. Ich selbst stand mal auf dem Schlauch, als mir in der Eifel bei Daun eine Frau sagte (übersetzt), sie habe vier Kilo abgeholt. Klar, sie wollte sagen, dass sie Diät gemacht hat und vier Kilogramm abgenommen hat. Je nach Lebenshaltung kann man dort also affholle oder zoholle.

Das Alter und die Neugierde

Und so macht auch unser Satz wieder Sinn. Er bedeutet auf Hochdeutsch: Im Alter nimmt alles ab, nur die Neugierde nimmt zu. Und das entspricht der Lebenserfahrung, je mehr die körperlichen Kräfte und Fähigkeiten nachlassen und der Aktionsradius abnimmt, desto mehr wendet man sich mit angeregtem Interesse an seiner Umwelt. Auch heute noch sieht man hin und wieder ältere Herrschaften auf ein Kissen gestützt, das im Küchenfenster liegt. Draußen ist da mutmaßlich mehr los als drinnen.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns per E-Mail unter der Adresse rheinisch@ga.de