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„Fassungslos und bestürzt“: Entsetzen nach Fund von Kinderpornografie in Bergisch Gladbach

„Fassungslos und bestürzt“ : Entsetzen nach Fund von Kinderpornografie in Bergisch Gladbach

In einer Wohnung in Bergisch Gladbach finden Ermittler Bilder, die Kinderpornografi e und sexuelle Handlungen an Kindern zeigen. Der Wohnungsinhaber wird verhaftet, die Spur führt zu drei weiteren Verdächtigen. Opfer sollen die eigenen Kinder der Männer sein

Das jüngste Opfer war noch ein Baby. Mehrere Männer sollen ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht und sich gegenseitig entsprechende Bilder geschickt haben. „Sie sehen mich fassungslos und bestürzt in Anbetracht der schrecklichen Taten“, sagte der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob. Die Opfer seien zwischen elf Monaten und zehn Jahren alt.

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich schockiert. Bei dem Tatverdächtigen im Fall des mutmaßlichen schweren Kindesmissbrauchs in Bergisch Gladbach handelt es sich um einen 42-jährigen Deutschen. Das sagte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft. Der Mann wurde am Dienstag vergangener Woche festgenommen. er sitzt seitdem wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der Kreispolizei Bergisch Gladbach soll er in seiner Wohnung Kinder missbraucht, die Taten gefilmt und weiterverbreitet haben. Die Ermittler fanden mehrere Terabyte Bilder und Videos. „Das ist eine Riesen-Datenmenge – Tausende Bilder und Videos“, sagte der Sprecher der Kreispolizei. Der Verdächtige aus Bergisch Gladbach sei offensichtlich in einem nationalen und internationalen Netzwerk tätig gewesen. Im Zusammenhang mit dem Fall wurde ein 26-Jähriger aus Kamp-Lintfort festgenommen.

Bei einer Durchsuchung am 24. Oktober habe sich auch bei ihm der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern bestätigt. Der Mann befinde sich ebenfalls in U-Haft, er sei Bundeswehrsoldat, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve. Ein weiterer Verdächtiger (38) wurde am vergangenen Freitag im hessischen Niedernhausen festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Im Raum Langenfeld nahm die Polizei einen weiteren Verdächtigen in Haft, der dem zuständigen Richter vorgeführt wurde. Er sitze nun in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit.

Bislang gehen Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln, die die Ermittlungen nun führen, von sechs Opfern im Alter zwischen unter einem Jahr und zehn Jahren aus. Bei ihnen handele es sich um die Kinder oder Stiefkinder der Beschuldigten. Der Verdächtige aus Bergisch Gladbach sei bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Der Durchsuchungsbeschluss habe erst mit Wochen Verspätung vollstreckt werden können, weil der Mann zum geplanten Zeitpunkt mit seiner Frau und seiner Tochter im Urlaub gewesen sei. Durch die Auswertung seiner Chat-Verläufe kamen die Ermittler den drei weiteren Verdächtigen auf die Spur.

Die vier Männer hatten über Messenger-Dienste untereinander Fotos ausgetauscht. Ob sich die Verdächtigen persönlich kennen, sei noch unklar. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, nach seinem Kenntnisstand habe die Polizei in Bergisch Gladbach „konsequent ermittelt“, nun habe man die Leitung der Ermittlungen nach Köln gegeben, weil dort „Manpower“ vorhanden sei.

Mit dem schweren Missbrauchsfall von Lügde sei der nun bekannt gewordene Fall kaum zu vergleichen, sagte Reul. „Die Geschichten sind andere. Die Geschichte von Lügde spielte an einem Platz, wo Kinder von ein, zwei Männern missbraucht wurden. Hier haben wir jetzt unterschiedliche Stellen, wo Männer mit ihren eigenen Kindern Missbrauch betrieben haben.“ Nach Angaben des Kölner Polizeipräsidenten Uwe Jacob sind mehr als 20 Ermittler mit dem Fall beschäftigt.

Unterstützt werden die Fahnder von Beamten aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis. Außerdem stehe die Kölner Staatsanwaltschaft in engem Kontakt mit den Staatsanwaltschaften Düsseldorf, Kleve und Wiesbaden. Derzeit werde die große Datenmenge ausgewertet. Bislang sei erst „ein Bruchteil“ gesichtet worden. Oberstes Ziel sei es, mögliche weitere Täter auf den Aufnahmen zu identifizieren.

„Es bleibt möglicherweise nicht bei vier Tätern“, sagte Becker. „Derzeit gibt es zwar keine Hinweise, aber aufgrund der großen Datenmenge können wir es auch nicht ausschließen.“ Die Opfer würden betreut. „Sie sehen mich fassungslos und bestürzt im Angesicht dieser schrecklichen Taten“, sagte Polizeipräsident Uwe Jacob. „Mein Mitgefühl ist bei den Opfern und ihren Angehörigen.“