1. Region
  2. Köln & Rheinland

Rheinische Redensarten: Entwedde et räänt ode de Schranke sin zo

Rheinische Redensarten : Entwedde et räänt ode de Schranke sin zo

Der GA stellt schöne und bedeutungstiefe rheinische Redewendungen vor. In dieser Folge geht es um den Ausdruck „Entwedde et räänt ode de Schranke sin zo“.

Wir müssen uns mal eines ganz lokalspezifischen aber dennoch untypischen Themas annehmen. Und das ist das Klima der Bundesstadt Bonn. Wer schon länger hier wohnt, sich vielleicht sogar als Ureinwohner bezeichnen kann, der kennt den Satz in- und auswendig: „Entwedde et räänt ode de Schranke sin zo“. Den gibt es so nur in Bonn. Die Übersetzung ins Hochdeutsche ist leicht hergestellt: Entweder es regnet oder die Schranken sind zu. Da vermisst man geradezu die metaphysische Bedeutungsebene. Denn wir wissen ja: Das Rheinland, spezieller die Köln-Bonner-Bucht, und noch spezieller Bonn gilt als die nördlichste Stadt Italiens. Warum ist das so? Hier ist das Klima sehr mild.

Das kommt daher, dass sich die ausgleichende Seeluft vom Atlantik im geografischen Trog des Vorgebirges fängt. Das führt allerdings nicht nur zu allgemein milden Temperaturen, sondern auch zu viel Regen. Die Luftfeuchtigkeit ist hier sehr hoch. Wer einmal einen Spaziergang durch die Südstadt unternimmt, etwa Argelanderstraße und Königsstraße, der kann in vielen Vorgärten Pflanzen entdecken, die es sonst nur in Feuchtwäldern gibt. Farne sind da keine Seltenheit. Für Menschen mit angegriffener Lunge ist das keine gute Umgebung. Denen sollte man schon raten auf den Vorgebirgskamm zu ziehen.

Fazit: In Bonn regnet es oft. Etwas anderes, das man hier sehr häufig beobachten kann, sind geschlossene Bahnschranken. Das ist häufig entlang der Kaiserstraße zu beobachten. Denn viele Züge steuern noch aus der Tradition der guten alten Hauptstadtzeiten den Hauptbahnhof Bonn an. Überhaupt führt hier eine der beiden wichtigen Rheinschienen vorbei. Wer ein angegriffenes Nervenkostüm besitzt, wird sich schon oft geärgert haben, dass die Schranken nicht nur oft, sondern auch lange geschlossen sind. Weit vor der Durchfahrt der Bahn und noch etliche Momente danach heißt es: Bitte nicht queren. Unter Bonner Studenten hat sich die Losung verbreitet: Wer von der Universität aus gesehen jenseits der Bahn wohnt, sollte ein Semester länger einplanen.

Der Satz hat aber in seiner wohl nicht unbegründeten negativen Grundhaltung auch eine übergeordnete Bedeutung. Denn zwischen den Zeilen sagt er: Alles ist schlecht! Und das ist eigentlich ganz untypisch für den Rheinländer, dem man doch eine überaus optimistische Grundhaltung nachsagt. Kann das sein, dass der Bonner da eine Ausnahme macht? Wir wissen es nicht.