1. Region
  2. Köln & Rheinland

Rheinische Redensarten: Et ess en schlächte Kirmes, wenn nix kapott jeiht

Rheinische Redensarten : Et ess en schlächte Kirmes, wenn nix kapott jeiht

Wir stellen schöne und sinntiefe Dialektredewendungen vor. Heute: Et ess en schlächte Kirmes, wenn nix kapott jeiht.

Hin und wieder ist Dialektforschung eine Art Archäologie. Man findet im Sediment etwas, das einem Auskunft gibt über frühere Zeiten und einstmalige Gepflogenheiten. Dabei ist das, worauf es hinweist vielleicht noch nicht ganz vergessen, aber es hat doch klar an Bedeutung eingebüßt.

Einen solchen Fall haben wir vor uns bei der rheinischen Redensart: „Et ess en schlächte Kirmes, wenn nix kapott jeiht“. Die Übersetzung ist gar kein Problem und lautet: Das ist eine schlechte Kirmes, wenn nichts kaputt geht. Reifere Semester haben an dieser Stelle überhaupt keine Probleme zu verstehen. Die städtische Jugend, die am dem Computer groß geworden ist, wahrscheinlich schon eher. Man versteht die Kernbotschaft nur aus der Zeit und den Verhältnissen heraus.

Ein Relikt aus früherer Zeit

Vor gar nicht allzu langer Zeit, war das Leben auf dem Dorf ein echter Knochenjob. Nix für Feiglinge. Die meisten waren auf dem Hof oder Feld tätig, und es gab nur wenig Abwechslung von der harten Arbeit. Lediglich Karneval im Frühjahr und die Kirmes im Herbst boten die Möglichkeit, über die Stränge zu schlagen. Die Kirmestage gingen meistens übers Wochenende bis einschließlich Montag. Auf dem Dorfplatz standen ein paar Fressbuden, ein Zuckerwattestand, eine Schießbude, wenn es hoch kommt ein Autoscooter und natürlich der Bierpilz. Da kam das ganze Dorf zusammen und mit seinen Protagonisten auch all deren Konflikte.

Stimmung und Bierseeligkeit

Nicht selten war die Stimmung in Bierseeligkeit entweder ausgesprochen ausgelassen oder feindseelig. Alte Wunden rissen auf, Eifersüchteleien brachen sich Bahn, kurz: Die nächste Schlägerei war nicht weit. Und wenn es erst einmal so richtig losging, dann klirrten Gläser, zerrissen Hosen und brachen Bretter. Eine Kirmes ohne all das? Eigentlich kaum vorstellbar dereinst. Die Dorfschönheit wurde mit dem Schiffsschaukelbremser verkuppelt, und der Dorfdepp wurde so lange abgefüllt, bis der nicht mehr gerade nach Hause gehen konnte und in irgendeinem Vorgarten zum Liegen kam. Irgendwas war an Kirmes immer. Und es hatte Nachrichtenwert auf Jahre hinaus.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns per E-Mail unter der Adresse rheinisch@ga.de