Dat ist Rheinisch Fastelovend zesamme!

Rheinland · Der General-Anzeiger stellt jeden Samstag eine rheinische Redewendung vor und erläutert Übersetzung, Bedeutung und Historie. Diesmal: Fastelovend.

Seid gegrüßt, liebe Karnevalsfreunde!

Seid gegrüßt, liebe Karnevalsfreunde!

Foto: GA-Grafik

Ja, es ist unübersehbar, wir befinden uns aktuell im Epizentrum des rheinischen Fasteleers. Und da wird nicht nur klassisch „Alaaf“ gebrüllt. Nein, auch der Schlachtruf „Fastelovend zesamme!“ gehört zum sprachlichen Kernrepertoire der fünften Jahreszeit.  Und an diesem Satz lässt sich etwas Schönes zeigen.

Übrigens hörte ich vor ein paar Tagen, dass ein hier gestrandeter Hesse fragte, wie wir es denn mit der „Fassenacht“ halten... „oder, wie sagt man hier?“ Da hatte er natürlich Gegenwind und musste zur Kenntnis nehmen, dass hier die Vokabeln Karneval und Fastelovend gebräuchlich sind. Wieder was gelernt.

Das Fest der Ausgelassenheit

Und uns zeigt der „Fastelovend“, dass jenes Fest der Ausgelassenheit, des Verkleidens und der verkehrten Welt ganz klar einen expansiven Zug hat. Denn ursprünglich waren mit dem zu Hochdeutsch „Fastenabend“ die dunklen Stunden vor Aschermittwoch gemeint. Und von dort aus trat das rheinische Volksfest seinen Siegeszug an, startete immer früher und wurde dadurch immer länger: Rosenmontag, Wiewerfastelovend und schließlich der 11.11. Man feiert halt gern und ausschweifend.

Das war auch der Grund, warum vor inzwischen 201 Jahren der Festausschuss Kölner Karneval gegründet wurde. Das war die Geburtsstunde des organisierten Frohsinns - wenn das nicht mal ein Widerspruch in sich ist - und zugleich der Startschuss für den Rosenmontagszoch. Nur ein Jahr später - 1824 - starteten die jecken Wäscherinnen in Beuel mit ihrer Mission der Gleichberechtisierung des Fastelovends.

Gibt es Karneval erste seit 200 Jahren?

Aber, so mag mancher einwenden, gibt es denn den Karneval erst seit 200 Jahren? Die Antwort ist: nein! Schon vor 2000 Jahren bildeten die alten Römer kunstvoll (Karnevals-)Masken ab, etwa auf ihren aus Ton geformten Öllampen. Aus dem Jahr 1341 ist die erste urkundliche Erwähnung des Karnevals in der Domstadt zu Köln belegt. In einem alten Eidbuch steht es Schwarz auf Gilb.

Während auf den Straßen wohl zunehmend Unordnung herrschte, waren die Regelübertretungen in den Klöstern eher im homöopathischen Bereich. So ist der Bericht einer Kölner Ordensschwester aus dem Jahre 1729 belegt, wonach die Nonnen des nächtens, als die Äbtissin sich schon zur Ruhe gebettet hatte,  „eine Schokolade getrunken“ haben. So viel Luxus war freilich verboten, aber sie taten es trotzdem. Zu Fastelovend konnte man halt schon immer seine ganz wilde Seite zeigen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort