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Rheinische Redensarten: Flück jamaat und joot jedonn könne neet zosamme jonn

Rheinische Redensarten : Flück jamaat und joot jedonn könne neet zosamme jonn

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redensarten des Dialektes vor.

Es ist immer schön, wenn man auf eine rheinische Redensart aufmerksam gemacht wird, die zwar uralt ist, die aber eine unvermutete Aktualität besitzt. Die haben wir im jetzigen Fall vorliegen. Ein geneigter Leser hat uns seinen Lieblingssatz geschickt, den er immerhin seit 40 Jahren in seiner Erinnerung hütet.

Und angesichts der weitreichenden Bedeutung, aber auch zeitlichen Wirkung ist die dazugehörige Geschichte fast schon zu profan. Aber da wir hier die Wirklichkeit abbilden wollen, gehört sie einfach dazu. Denn laut Erinnerung unseres Informanten hing der Satz auf einem Schild im Wartezimmer seines Hals-Nasen-Ohren-Arztes. Als Kind empfand er den Warteraum stets als überfüllt und die Wartezeit als unendlich. Da half es, dass auf dem besagten Schild stand: „Flück jamaat und joot jedonn, könne neet zosamme jonn.“ Da geht einem doch das Herz auf. Wir starten mit der wörtlichen Übersetzung ins Hochdeutsche: Schnell gemacht und gut getan, können nicht zusammen gehen! Da spürt man sofort den besonderen Reiz der rheinischen Version, denn in der dialektfreien Variante existiert der Reim überhaupt nicht.

Nicht zu unterschätzen

Rein inhaltlich erklärt sich der Satz von selbst, ist aber in seiner umfassenden Bedeutung nicht zu unterschätzen. Es ist wie eine Basisanleitung zur Herstellung von Qualität, quasi eine Qualitätssiegel. Es gibt andere Sinnsprüche, die in eine ähnliche Richtung weisen: Gut Ding will Weile haben, zum Beispiel. Das ist ja etwas, das geradezu gegen den aktuellen Zeitgeist spricht. Hat man doch den Eindruck, dass wir heute nach dem Motto verfahren müssen: Schneller, höher, weiter! Aber jeder, der an einem Produktionsprozess beteiligt ist, der auf ein qualitativ hochwertiges Produkt zielt, weiß: Wichtig ist und bleibt die Gährung. Und die erfordert immer Zeit.

Beruhigend zu wissen

Im Falle des Arztes ist es beruhigend zu wissen, dass er sich Zeit nimmt für seine Patienten, denn vor die Diagnose hat der liebe Gott das Erkennen gesetzt. Aber natürlich lässt sich der Satz auch als allgemeine Lebensmaxime verstehen. Ja, er hätte tatsächlich das Zeug zum Kategorischen Imperativ. Fürs Rheinland muss die Philosophiegeschichte also völlig neu geschrieben werden!

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf www.ga.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de