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GA-Podcast „So geht Rheinisch“

Das ist Rheinisch : Hä ess verschütt jejange!

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Hä ess verschütt jejange!

Das Schöne an der Sprache ist, dass sie quasi wie ein historisches Fleckchen Erde die Vergangenheit konservieren kann. Dorthin kann der Archäologe gehen und buddeln. Das ist zwar mühsam, aber am Ende fördert er etwas zutage, das Geschichte erzählt.

Und genau das ist für Sprachforscher das Faszinierende an den Begriffen aus alter Zeit. Dabei kann es sein, dass ein Wort noch in der Alltagssprache existiert, das schon uralt ist, aber vom Sprechenden nicht als solches identifiziert wird, weil es ja immer noch ständig benutzt wird.

Begriffe aus alter Zeit

So einen Fall haben wir bei der rheinischen Redewendung: „Hä ess verschütt jejange“. Hier kann man nur eine annähernde Übersetzung ins Hochdeutsch wagen. Es heißt so viel wie: Er wird vermisst. Da ist also einer, den man schon lange nicht mehr gesehen hat, und um den man sich im angemessenen Rahmen sorgt.

Ohne auf die Hintergründe der Situation einzugehen, stellen wir fest: So was kann schon mal vorkommen. Der Satz kann aber auch jemanden beschreiben, von dem man zwar weiß, wo er sich aufhält, und dass er noch am Leben ist, aber irgendwie hat er sich aus dem Wirkungskreis des Sprechenden hinausbewegt.

Räubersprache von der Straße

Die Formulierung „verschütt gehen“ stammt — und hier wird es spannend — aus dem Rotwelschen, oder wie man auch sagt: Aus der Räubersprache. Man kann sich das ja heute gar nicht mehr so vorstellen, aber in früheren Jahrhunderten gab es viel fahrendes Volk auf den Straßen. Nichtsesshafte, Vaganten, Landstreicher, die in irgendeiner Weise Dinge an- und verkauften.

Die Grenze zum Räubertum war, wenigstens in der Perspektive der gesetzten Bürger, fließend. Und so hat sich auf der Straße eine in Teilen abwichende Sprache entwickelt, die als Geheimsprache fungierte. Denn die Scherenschleifer und Kesselflicker wurden immer schlecht angesehen, und je mehr sie als kriminell galten, desto nachdrücklicher haben sie aus Selbstschutz und als Erkennungszeichen eine eigene Sprache kreiert, mit teils ganz eigenen Vokabeln.

Die haben sich im Rheinischen Dialekt gut erhalten: „Schwoofen“, „Kohldampf“ für Hunger, „glattgehen“ für gut ausgehen, „Klinken putzen“ für hausieren und „Schmiere stehen“ für aufpassen, dass niemand kommt. Alles Überbleibsel aus dem Räuberlatein, die sich im Dialekt erhalten haben. Danke dafür.

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