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Rheinische Redensarten: Hestonndiedieimmerhestonn

Rheinische Redensarten : Hestonndiedieimmerhestonn

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Redewendungen des Dialekts vor.

Probleme beim Lesen? Zugegeben, das war Kalkül. Wenn ein Satz zu einem Wort wird, dann ist unser Denkapparat überfordert. In diesem Fall war das aber nötig, weil das einen wichtigen Interpretationsansatz liefert. Wir sprechen jetzt mal über die rheinische Redensart: „Hestonndiedieimmerhestonn“. Die ursprüngliche Langversion lautet: Hestonnimmerdieselbedieimmerhestonn. (Das passte aber leider nicht in die Überschrift.) Wenn wir klären wollen, was das bedeutet, dann müssen wir mal strukturieren. Sortiert nach Worten: He stonn immer dieselbe, die immer he stonn.“ Und zu gut Hochdeutsch: Hier stehen immer dieselben, die immer hier stehen. Worum geht es? Ja, wir haben dieses alltagskulturelle Kleinod ein bisschen vernachlässigt: Die Eckkneipe. Es gab mal Zeiten, da war das die Kommunikationszentrale jeden Dorfes. Hier standen die Männer und sprachen miteinander, tauschten sich aus – heute würde man sagen: kommunizierten.

Kratzen an der Ewigkeit

Und gemäß der Gesellschaftsstruktur des Ortes gab es jene männlichen Exemplare, die kaum bis nie dort anzutreffen waren, und jene, die sich immer an der Theke festhielten. Das war quasi ein an der Ewigkeit kratzender Vorgang: Hier stehen immer dieselben. Die o.g. Schreibweise in einem Wort symbolisiert die Ununterbrochenheit dieses Habitus’. Wer also immer dort steht, der bekommt auch mal Durst. Wer dem abhilft, der hat irgendwann Probleme – mit Leber, Promille und Deckel. Letzterer ist der Ausweg für diejenigen, die gerade finanziell nicht flüssig sind, aber gerne mit Flüssigem versorgt sind. Dann kann man anschreiben lassen, falls der Wirt kein Misstrauen hegt.

Lufthoheit über freie Abende

Das alles ist heute nicht mehr häufig anzutreffen. Lange vor dem Rauchverbot in Kneipen eroberte die Familie die Lufthoheit über die freien Abende. Und immer weniger Familienvätern wurde erlaubt, ganz unverbindlich ein Bierchen trinken zu gehen. Zu bekannt waren die Fälle von Männern, die am Monatsende den Inhalt ihrer Lohntüte beim Wirt ließen. Und so ist das Grüppchen an der Theke, das immer da ist, inzwischen zu einem harten Kern geschmolzen.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de