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Rheinische Redensarten: Hol en Fädemsche, dann böngen isch et dir op de Naas

Rheinische Redensarten : Hol en Fädemsche, dann böngen isch et dir op de Naas

Der GA stellt schöne und bedeutungstiefe rheinische Redewendungen vor. Dieses Mal geht es um den Satz: „Hol en Fädemsche, dann böngen isch et dir op de Naas.“

Der rheinische Humor ist nicht nur legendär, er ist auch zuweilen sehr hintergründig. Und das macht seinen Reiz aus. Denn man spürt: Hier ist nicht ein oberflächlicher Gedankengang wirksam, sondern eine tiefe Welterkenntnis.

Die Ausprägung dessen findet man immer wieder bei den mundartlichen Redensarten. Eine zweite Sache, die man regelmäßig antrifft, ist der erzieherische Anspruch solcher Sätze. Nicht zuletzt sollen bestimmte, griffige Formulierungen dem Nachwuchs mit auf den Weg gegeben werden, damit der sich ein Leben lang daran festhalten kann.

Und genau im Schnittpunkt dieser beiden Tatsachen finden wir die Redewendung: „Hol en Fädemsche, dann böngen isch et dir op de Naas.“ Das ist eine typisch rheinische Erweiterung einer auch anderswo bekannten Redewendung. Ins Hochdeutsche übersetzt heißt sie: Hole einen kleinen Faden, dann binde ich es dir auf die Nase.

Ursprünglich lautet der Satz: Das binde ich dir nicht auf die Nase, im Sinne von: das geht dich gar nichts an. Denn wenn man jemandem etwas auf die Näse bände, dann könnte er es überhaupt nicht übersehen. Das ist so ähnlich wie der Wink mit dem Zaunpfahl.

Der Rheinländer indessen stellt der Wendung noch die Aufforderung voran, einen Faden zu holen. Es ist dies der humorvolle Hinweis darauf, dass der Neugierige machen könne, was er wolle (Faden holen), und dennoch werde ihm keine Auskunft gegeben. Kurz und knapp zusammengefasst besagt das: Sei nicht so neugierig. Und das ist ja wirklich ein sinnvoler Ratschlag fürs Leben.

Zugegeben, dafür dass man es so einfach hätte ausdrücken können, wählt der Rheinländer einen etwas umständlich langen Weg. Doch das ist an dieser Stelle ganz klar Strategie. Getreu dem Motto: „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr sie“, wählt er die Faden-Einleitung, um sein Gegenüber erst einmal ans Nachdenken zu bringen. Das gibt ihm den nötigen zeitlichen Vorsprung, um seinen geordneten Rückzug aus der Situation anzutreten. Das ist ja beinahe schon eines großen Feldherrn würdig.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de