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Rheinische Redensarten: Hück ess et kahle Soffi

Rheinische Redensarten : Hück ess et kahle Soffi

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Hück ess et kahle Soffi.

Das Rheinland ist schlicht nicht denkbar, ohne seine Heiligen. Das ist so offenkundig, wie selten angesprochen. Es scheint einfach zu selbstverständlich. Für die Mobilität ist der heilige Christophorus zuständig, für die Mütter die heilige Maria Muttergottes, der rheinische Hausheilige ist Sankt Martin, der das mildtätige Temperament repräsentiert. Das liegt am tief im Rheinland verwurzelten Katholizismus. Und so hat auch jede Kirche und jede Pfarrgemeinde einen Ansprechpartner in der Schola der Emporgehobenen.

Für jeden Tag gibt es einen oder gleich mehrere Schutzpatrone, so dass der Rheinländer seit jeher seltener den Geburtstag als den Namenstag feiert. Idealerweise verfuhr man früher nach dem Prinzip, der Junge, das Mädchen bekommt den Namen des Heiligen seines Geburtstages. Dann gibt es auch kein Durcheinander. Der Autor dieser Zeilen würde dann Martin genannt worden sein. Und so gibt das System der Heiligen dem rheinischen Alltag eine gewisse Struktur. Erst recht dann, wenn mit dem Namen des Heiligen eine gewisse äußere objektive Beobachtung einher geht.

Es geht um die Eisheiligen

Dieses Bedeutungsfeld erreichen wir mit der Redewendung: „Hück ess et kahle Soffi“. Auf Hochdeutsch lautet der Satz: Heute ist die kalte Sofie. Einmal ganz davon abgesehen, dass der Rheinländer weibliche Wesen mit „es“ bezeichnet - der Grammatiker würde möglicherweise sagen, er nutzt das generische Neutrum - , aber im Kern handelt es sich hier um eine Bauernregel.

Und zwar um die Eisheiligen. Die sind zwar auch andernorts bekannt, aber haben vielleicht nicht überall eine solche Popularität. Die fünf Eisheiligen, sind die fünf Tage zwischen dem 11. und 15. Mai. Denen wird nachgesagt, dass sie noch Frostnächte haben können. Danach sind dann definitiv Frühlingstemperaturen über dem Gefrierpunkt angesagt. Und weil Minusgrade der Feind jedes Bauern ist, der mit Blüten und Bodensaaten arbeitet, ist die Frostwarnung immer ein wichtiger Hinweis gewesen. Die Eisheiligen heißen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia.

Sicher wird die Prognose erst in zehn Tagen

Die kalte Sofie ist also die letzte im Reigen der Frostnächte und zwar just am 15. Mai. Heute gilt die Warnung vor der kalten Sophie als hinfällig, denn erstens stammte sie aus einer besonderen Kälteperiode des Mittelalters, und zweitens war damit der 15. Mai des julianischen Kalenders gemeint. Auf unsere heutige Zeitrechnung des gregorianischen Kalenders bezogen wäre eher der 25. Mai der richtige Tag. Das Phänomen der Eisheiligen beschreibt aber so oder so die Beobachtung, dass auch noch im Umfeld der warmen Temperaturen des Mai die Polarluft aus dem Norden die Oberhand gewinnen kann. Und davon können wir uns tatsächlich regelmäßig überzeugen.