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Landgericht Bonn: Illegale Cannabis-Plantagen aufgeflogen

Landgericht Bonn : Illegale Cannabis-Plantagen aufgeflogen

Vor dem Landgericht Bonn müssen sich demnächst sieben Kölner wegen Betäubungsmittelhandels verantworten. Sie hatten in Euskirchen und Köln illegale Cannabis-Plantagen betrieben.

Weil die Polizei ihre frisch erstandenen 1200 Marihuana-Setzlinge auf dem Weg vom Übergabeort in Aachen zu ihrem Euskirchener Gewächshaus beschlagnahmt hatte, machte sich eine vierköpfige Kölner Drogenhändler-Bande auf die Suche nach kurzfristigem Ersatz. Den fand sie schnell bei einem 35-jährigen Teestubenbetreiber, der selbst in einer Kölner Lagerhalle eine illegale Plantage betrieb. Der lieferte seinen Kollegen gegen Zahlung von 10.000 Euro Ersatz in gleicher Menge. Zur Ernte kam es jedoch weder in Köln noch in Euskirchen: Im Februar 2017 flogen beide Plantagen auf und nun müssen sich insgesamt sieben Kölner vor dem Bonner Landgericht wegen Betäubungsmittelhandels in nicht geringer Menge mit Waffen verantworten.

Der Teestubenbetreiber soll im September vor zwei Jahren von einem Mittelsmann eine technisch komplett ausgestattete Marihuanaplantage in einer Lagerhalle in einem Kölner Gewerbegebiet erstanden haben. Die Halle wurde von einem 33-jährigen, arbeits- und obdachlosen Gerüstbauer offiziell angemietet, dieser bezog infolge ein fensterloses Einzimmer-Appartement im hinteren Gebäudeteil. Von dort aus sollte er die Plantage gärtnerisch betreuen.

Schwert und Baseballschläger liegen griffbereit

Im Dezember wurden die ersten Stecklinge angeliefert, die der Gerüstbauer zunächst einpflanzte und im nächsten Vierteljahr großpäppelte. Als Bezahlung für diese Arbeit vereinbarten der Teestubenbesitzer und der „Hilfsgärtner“ neben freier Kost und Logis ein regelmäßiges Taschengeld und eine Zahlung von 15 000 Euro, die aber erst nach erfolgreichem Verkauf der Ernte geleistet werden sollten. Um sich und die Ware zu schützen, lagerten die beiden ein Schwert und einen Baseballschläger griffbereit in der Halle.

Mitangeklagt ist auch ein 30-jähriger ungelernter Elektriker: Für ein Entgelt von 1000 Euro sollte der Mann sich um die Elektroinstallationen kümmern. Außerdem wird ihm zur Last gelegt, im Februar 2017 nach Istanbul gereist zu sein, um potenzielle Abnehmer für das Marihuana zu finden.

Weil die zu erwartende Ernte den Männern offenbar nicht groß genug erschien, sollen sie im Februar 2017 Ware zugekauft haben: Mindestens neun Kilogramm Marihuana zu einem Kilopreis von 4300 Euro seien am 11. Februar 2017 geliefert worden, heißt es in der Anklage. 8,6 Kilo davon soll der Teestubenbetreiber mit Gewinn weiterverkauft haben, der Rest soll dem Eigenkonsum gedient haben.