Dat is Rheinisch! Isch hann Disch jään!

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Liebe!

 Liebeserklärungen auf Kölsch müssen ohne das Wort „Liebe“ auskommen.

Liebeserklärungen auf Kölsch müssen ohne das Wort „Liebe“ auskommen.

Foto: DPA

Normalerweise berichten wir an dieser Stelle immer über die Kostbarkeiten der rheinischen Sprache. Über alles, was der Dialekt so bietet. Die quasi unerschöpfliche Vielfalt einer gewachsenen Sprache, die praktisch alle Facetten des Lebens abzubilden in der Lage ist.

Heute machen wir es mal ganz anders. Denn wir haben uns auf die Fährte begeben nach einem Wort, das es im Dialekt eben gerade gar nicht gibt. Und weil es so ist, dass es diesen eklatanten Mangel gibt, existiert die folgende rheinische Redewendung: „Isch hann Disch jään!“

Nur für die Liebe nicht

Dieser Satz ist einfach übersetzt ins Hochdeutsche, denn dort bedeutet er: Ich habe Dich gern! Das ist quasi für den Kölner die stärkste Zuneigungsbezeigung für den oder die Beziehungsberechtigte. Warum das so ist, darüber hat die Kölner Band „Lupo“ ein Lied geschrieben. Darin heißt es: Op kölsch jitt et för alles e Woot nur för die Liebe nit!

Aber kann das wirklich sein? Gibt es für die Liebe keinen Begriff im Dialekt? Tatsächlich, in den einschlägigen Wörterbüchern ist keine Übersetzung von „Liebe“ zu finden.

Die Bläck Fööss sprechen von Amore

Die Bläck Fööss weichen im Zweifel auf den Hilfsbegriff „Amore“ aus. Das ist ganz klar ein Fremdwort, hat aber den Charme, sich auf „han mich verlore“ und „wie neu jebore“ zu reimen. Und wenn den Bläck Fööss schon kein passenderer Begriff einfällt, dass ist das schon ein klares Indiz dafür, dass es am Wort für Liebe mangelt.

Das kann man bedauern oder nicht. Auf der anderen Seite kommt das manch einem gut zupass, der ungern mit der Türe ins Haus fällt und der viel lieber die Vielfalt der sprachlichen Schattierungen nutzt. Denn „ich hab Dich gern“ zeigt eine angenehme Vertrautheit, ohne gleich ein langfristiges Versprechen zu beinhalten. Und so werden zahlreiche andere Attribute herangezogen, um das Gefühl der Gefühle zu umschreiben: Mond, Sterne, Zauber und Verlorenheit. Das alles zahlt auf den diplomatischen Charakter der Mundart und damit den diplomatischen Wesenszug des Rheinländers ein, der in seiner Toleranz begründet liegt.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren neuen Podcast “So geht Rheinisch” mit Peter Brings auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de