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Rheinische Redensarten: Jeder es dat, wat he ment, wat he wör!

Rheinische Redensarten : Jeder es dat, wat he ment, wat he wör!

Wir stellen schöne und bedeutungstiefe Dialektredewendungen vor.

Der Rheinländer an sich ist ein Philosoph. Das ist so sicher wie umstritten. Denn als Weisheitsliebender wird er regelmäßig verkannt. Das könnte damit zusammenhängen, dass er die genannten Inhalte nicht immer adäquat zu transportieren in der Lage ist. Was aber nicht bedeuten soll, dass die innere Grundhaltung und das damit verbundene, tief empfundene Wissen fehlte.

So ist es etwa bei der rheinischen Redensart: „Jeder es dat, wat he ment, wat he wör!“ Da halten wir erst einmal inne und geben dem Gedanken die Chance, sich zu entwickeln. Auf gut Hochdeutsch heißt der Satz: Jeder ist das, was er meint, was er wäre! So hieße es Wort für Wort übersetzt. Vielleicht ein bisschen eleganter: Jeder ist, wofür er sich hält!

Eine Behauptung, die Widerspruch erzeugt

Das ist eine interessante Behauptung, die sicherlich auch Widerspruch erzeugen kann. In jedem Fall hat sie aber - wie wir es vom gestandenen Rheinländer kennen - eine philosophische und eine psychologische Dimension. Denn falls dem so ist, wie die Redensart behauptet, dann gestaltet sich unser Charakter danach wie wir uns selbst sehen. Eben danach, was und wie wir sein wollen. Es gibt ja das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prophezeihung: Was man erwartet, passiert aus. Was man von sich denkt, das entwickelt sich auch. Und da ist noch nicht darüber entschieden, ob es sich um eine positive oder negative Eigenschaft handelt. Und es ist auch nicht gesagt, ob man sich den Eindruck, den man von sich hat, selbst ausgesucht hat, oder ob man ihn als von Außen gegeben ansieht.

Das alles klingt schon ein bisschen nach Arthur Schopenhauer, der einst „Die Welt als Wille und Vorstellung“ proklamierte. Die Welt, wie sie ist, entwickelt sich demzufolge aus unserem Willen und unserer Vorstellung über sie. Mag sein, dass es so ist. Es geht aber auch anders. Denn jeder von uns kennt Menschen, die ein verzerrtes Selbstbild haben, die ganz und gar nicht so sind, wie sie es von sich glauben.

Projektion der eigenen Charakterzüge

Das kann tragische Folgen haben. Und auf der anderen Seite gibt es noch jene, die ihre eigenen Charakterzüge auf die Mitmenschen projizieren und ihre spezifischen Schwächen quasi unter dem Vergrößerungsglas am Mitmenschen entdecken. Letztere Befunde sind psychologische Tiefenschichten. Grundsätzlich hat es aber jeder Mensch selbst in der Hand, charakterlich zu sein, wie er es möchte. Auch wenn’s schwer fällt.