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Karneval in der Corona-Krise: Kölner Karnevalschef gegen allgemeine Absage

Nach Aussage von Jens Spahn : Kölner Karnevalschef ist gegen pauschale Absage

Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte am Dienstag Bedenken, ob der Karneval in der kommenden Session überhaupt stattfinden könne. Das Festkomitee Kölner Karneval kann sich zwar keinen Straßenkarneval vorstellen, Sitzungen aber schon.

Nach der Äußerung von Gesundheitsminister Jens Spahn, den Karneval in der kommenden Session ganz abzusagen, hat sich das Festkomitee Kölner Karneval gegen eine Absage des Karnevals zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. „Man muss nicht heute das verbieten, was in einem halben Jahr stattfinden soll“, meinte am Dienstag Michael Kramp, Sprecher des Festkomitees, des Dachverbands der meisten Kölner Karnevalsvereine.

„Eine pauschale Absage mehrere Monate vor der Session halten wir für wenig zielführend“, sagte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn. Er kann sich angesichts von Corona keinen Straßenkarneval vorstellen. „Der Straßenkarneval, der Kneipenkarneval, das sind so Elemente, die wir uns nicht vorstellen können“, sagte Kuckelkorn am Mittwoch im WDR-„Morgenmagazin“. „Auch Ballveranstaltungen können wir uns nicht vorstellen.“ Anders sei es bei Karnevalssitzungen mit Hygienekonzept. Man könne ja auch mit Maske in ein Restaurant gehen und diese dann am Platz abnehmen.

Natürlich müsse der Sicherheitsabstand eingehalten werden, sagte Kuckelkorn. Alkohol sei sicherlich eine Komponente, die man berücksichtigen müsse. „Vielleicht gibt es ja auch Veranstaltungen, in denen es auch gar keinen Alkohol mehr gibt oder nur noch eingeschränkt Alkohol.“ Künstler würden vielleicht anteilsmäßig auf ihre Gage verzichten. Die Vereine müssten jetzt herausarbeiten, was der Kern des Karnevals sei und diesen klein inszenieren. „Das ist auch eine große Chance.“

Kuckelkorn sagte, Mitte September werde man vom Landesgesundheitsministerium die vorgelegten Hygienekonzepte bewertet zurückbekommen. Dann werde sich zeigen, wie der Karnevalsbeginn am 11.11. ablaufen werde. „Nach dem 11.11. wissen wir die Auswirkungen, wissen, wie's funktioniert hat, und das sind dann die Erfahrungswerte, die wir für die Session brauchen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich wegen der Corona-Pandemie skeptisch geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden kann. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in einer Telefonschaltkonferenz des Gesundheitsausschusses: „Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es.“

Eine Absage wäre für die Hochburgen „ein wirtschaftliches Desaster“, sagte der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Fess, der „Rheinischen Post“. Über Spahns Äußerungen zeigte er sich überrascht und forderte Spahn auf, den Bundesverband und Regionalvertreter zu einem Runden Tisch einzuladen. „Die Gesundheit steht an erster Stelle, auch bei uns Karnevalisten“, so Fess, „aber bevor Veranstaltungen abgesagt werden, muss es darüber Gespräche geben.“ Bislang sei nicht mit den zuständigen Behörden über eine Absage der Session gesprochen worden.

Die Kölner Karnevalisten wollten nicht um jeden Preis feiern, betonte Kramp in seiner Stellungnahme. Sollte die Zahl der Infizierungen in nächster Zeit weiter zunehmen und die Coronaschutzverordnung wieder verschärft werden, etwa so, dass sich nur noch Gruppen von bis zu zehn Menschen treffen dürften, dann seien Karnevalsfeiern natürlich nicht möglich. Das könne man aber derzeit noch nicht absehen, sagte Kramp.

„Wir sind mit den lokalen Behörden im Gespräch, wir haben Konzepte abgegeben und beobachten das Pandemiegeschehen“, sagte er. „Wir haben Handlungsempfehlungen bei der Landesregierung abgegeben.“ Darin stünden ganz konkrete Vorschläge für Karneval in Coronazeiten, zum Beispiel, dass die Künstler nicht wie bisher durch den Saal einziehen, sondern durch einen separaten Künstlereingang kommen sollten. Das Landesgesundheitsministerium müsse diese Vorschläge prüfen, genehmigen müssten es dann die lokalen Behörden vor Ort.

Es sei ein Missverständnis zu glauben, dass die Karnevalisten jetzt möglichst schnell „Rechtssicherheit“ bräuchten und Gewissheit darüber haben wollten, ob die Session stattfinde oder nicht. In Köln würden Säle und Künstler schon Jahre im Voraus gebucht, sagte Kramp. Die Veranstaltungen für 2021 seien quasi fertig geplant - eine Absage könne immer noch erfolgen, auch kurzfristig.

Darüber hinaus müsse man bedenken, dass der Kölner Karneval nur zum Teil organisiert sei. Er sei keine Großveranstaltung wie etwa das Oktoberfest, sondern bestehe aus zahllosen Sitzungen, Partys, Umzügen und anderen Veranstaltungen, die von unterschiedlichsten Vereinen, Gruppen und Privatleuten initiiert würden.

(dpa)