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Köln Südstadt: Obdachloser im Schlaf angezündet - Mordkommission eingerichtet

Obdachloser in Köln angezündet : Brandopfer schwebt weiter in Lebensgefahr

Nachdem ein Obdachloser in der Nacht von Freitag auf Samstag im Schlaf angezündet wurde, sucht die Polizei nach Zeugen. Das Opfer schwebt weiter in Lebensgefahr.

Mit lebensgefährlichen Brandverletzungen ist am frühen Samstagmorgen ein 44-jähriger Obdachloser in eine Klinik eingeliefert worden. Bisher nicht ermittelte Täter hatten den Mann an seiner Schlafstätte - einer öffentlich zugängichen Toilettenanlage am Severinswall in der Kölner Südstadt - angezündet, während der Mann schlief.

Die Mordkommission der Kölner Polizei, die am Wochenende eingerichtet wurde, um die Umstände zu ermitteln, sucht nach weiteren Zeugen für die Tat. Aktuell wird nach dem Kenntnisstand der Kölner Polizei das Opfer weiter intensivmedizinisch behandelt. Der Mann sei auch zwei Tage nach der Tat nicht vernehmungsfähig, sagte Pressesprecher Christoph Gilles am Montag.

Nach ersten Erkenntnissen soll sich die Tat in den Nachtstunden ereignet haben. Gegen 9 Uhr hatte der 44-Jährige mit augenscheinlichen schweren Brandverletzungen auf dem Chlodwigplatz eine Bekannte um Hilfe gebeten. Die Zeugin hatte daraufhin Rettungskräfte alarmiert. Ein hinzugezogener Notarzt ließ den lebensgefährlich Verletzten in eine Klinik einliefern.

Eine Mordkommission der Kriminalpolizei Köln hat am Samstagmorgen die Ermittlungen wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts übernommen. Spezialisten der Polizei untersuchten am Samstagmorgen den Tatort und sicherten Spuren.

Ermittlungen im Millieu der Starktrinker

Bei den Ermittlungen stoße die Polizei auf einige Hindernisse, weil der Obdachlose zu einer losen Gruppe von obdachlosen Trinkern gehörte, die sich um Chlodwigplatz und Severinswall finde. Gilles erklärt dazu: „Wir meinen das nicht abfällig, wenn wir das Opfer als Starktrinker bezeichnen. Diese Erkenntnis ist für unsere Ermittlungen wichtig.“

Ein Brandfleck ist auf dem Boden des Toilettenhäuschens in der Kölner Südstadt zu sehen. Foto: dpa/Henning Kaiser

So habe etwa ein weiterer Angehöriger der Szene Medienvertretern gegenüber angegeben, der 44-Jährige sei am Kölner Hauptbahnhof in Streit mit jemanden geraten. Dabei soll dem späteren Brandopfer gedroht worden sein. Die Polizei geht jedoch nicht davon aus, dass es sich dabei um einen aktuelle Streit gehandelt hat. Nach derzeitigen Ermittlungen war der Kölner noch gegen Mitternacht am Severinswall gesehen worden und hatte an dem Abend wohl kaum Gelegenheit, die drei Kilometer zum Hauptbahnhof zu Fuß zurückzulegen.

Den Tatzeitraum grenzt die Polizei auf die Zeit zwischen Mitternacht und etwa acht Uhr Morgens ein. In diesem Zeitraum ist der Mann mutmaßlich an seinem Schlafplatz auf dem gekachelten Boden eines öffentlichen Urinals angezündet worden. Nach den Erkenntnissen der Polizei hatte er am Samstagmorgen zwischen acht und neun Uhr eine Bekannte auf dem Chlodwigplatz um Hilfe gebeten.

In dem Urinal, das der Kölner als Schlafplatz nutzte, hat die Polizei Spuren gesichert. Fotos zeigen Brandflecken auf dem Fußboden.

Möglicherweise haben Pendler in der Nacht etwas beobachtet

Nun hofft die Polizei auf weitere Zeugen, die sich in der Nacht zum Samstag in dem Gebiet aufgehalten haben. Möglicherweise hätten Anwohner oder Pendler etwas gesehen, so Gilles. Der Schlafplatz des Obdachlosen liegt in der Nähe der KVB-Haltestelle Chlodwigplatz.

Immer wieder werden Obdachlose Opfer von Überfällen oder Angriffen. Im Sommer 2018 wurden zwei Männer Opfer eines Brandanschlags auf einem Bahnhofsvorplatz in Berlin. Im August 2019 wurden zwei Angeklagte ebenfalls in Berlin zu Haftstrafen verurteilt, weil sie die Kleidung eines obdachlosen Zechkumpanen auf einer Bank angezündet hatten. In Hamburg zündeten unbekannte Täter im Mai 2019 die Haare eines schlafenden Obdachlosen an. Eine Frau schlug die Flammen aus.

Zuletzt wurde Anfang 2020 ein schlafender Obdachloser im Vorraum einer Bank in Berlin angezündet. Er kam mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus.