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Köln: Wurstbude aus „Tatort“ zieht ins Freilichtmuseum Kommern

Wegzug aus Köln : Wurstbude aus dem Kölner „Tatort“ bekommt neuen Standort

An einer Wurstbude vor der Kölner Dom-Kulisse haben die „Tatort“-Kommissare Ballauf und Schenk so manchen Fall besprochen. Am Freitag zog der berühmte Imbisswagen ins Museum.

Es ist die wohl bekannteste Imbissbude Deutschlands: Die Wurstbraterei, die als Requisit im Kölner „Tatort“ Kultstatus hat und in der Krimi-Serie ein fixer Anlaufpunkt für die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ist. Am Freitag hat die Bude Köln verlassen und ein neues Zuhause im Freilichtmuseum Kommern des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) gefunden. Vom Deutzer Rheinufer, unweit des bekannten Drehortes, wurde die Bude ins rund 45 Kilometer entfernte Kommern in der Eifel gefahren.

Wurstbraterei aus dem Tatort kommt ins Museum

Es lag viel Wehmut in der Luft. Der Abschied falle ihnen schon schwer, sagte Ralf Jäger-Vosen, der die Bude zusammen mit seiner Frau Eva Vosen betrieben hatte. 13 Jahre hatte die Bude am Rheinauhafen in Köln gestanden, um dort hungrige Menschen zu versorgen. Für die Dreharbeiten war die Bude immer eigens auf die andere Rheinseite gefahren worden, um den Kölner Dom im Hintergrund zu haben. Der Imbisswagen, Baujahr 1954, war jahrzehntelang im Familienbesitz. Im Sommer hatte das Ehepaar erklärt, aufzuhören – wegen des Alters, wegen Corona und „anderen Umständen“, wie Jäger-Vosen am Freitag erläuterte. „Irgendwann ist alles mal vorbei“, ergänzte er.

Dass die Bude Teil des Tatorts wurde, sei Zufall gewesen, berichtete Jäger-Vosen weiter. Damals sei ein Mitarbeiter der Produktionsfirma auf der Suche nach einer Kegelbahn für Aufnahmen gewesen und habe die Bude entdeckt. „Sie war eigentlich schon ausrangiert“, so Jäger-Vosen. Ab der vierten Kölner Tatort-Folge sei man dann dabei gewesen, sagte er weiter.

Dass die Wurstbude einmal ins Freilichtmuseum komme, habe er den Museumsleuten schon vor Jahren versprochen, berichtete Jäger-Vosen weiter. Schließlich befinde sich in Kommern bereits eine ihrer Buden. Wie Museumsleiter Josef Mangold sagte, stamme die erste, große Vosen-Bude aus den 1930er Jahren und ist aus Holz. Sie steht seit 2015 im Freilichtmuseum. Laut Mangold kommt sie regelmäßig bei Veranstaltungen, wie dem „Jahrmarkt anno dazumal“ und der „Zeitblende“, zum Einsatz.

Auch die kleinere und jüngere Vosen-Bude solle nicht nur ein Ausstellungsstück sein, sondern ebenso bei Veranstaltungen Verwendung finden. „Sie ist einsatzfähig“, so Mangold. Beide Buden, schaustellerisch betriebene Imbissgeschäfte, spiegeln nach Ansicht des LVR sowohl die Geschichte der Familie Vosen als auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte wider.

Nicht auf eine letzte Currywurst, wohl aber zum Abschiednehmen war auch Tatort-Schauspieler Dietmar Bär gekommen. Die „lieb gewonnene Kulisse“ werde ihm fehlen, bekundete der Schauspieler. An einem Augustwochenende hätten die letzten Dreharbeiten an der Bude stattgefunden, so Bär weiter. Die Tatort-Folge mit dem Titel „Brennen sollst Du“ werde vermutlich im Frühjahr 2021 ausgestrahlt. Dabei handelt es sich um die 81. Tatort-Folge mit Ballauf und Schenk, Nummer 80 soll laut Bär bereits Anfang 2021 zu sehen sein.

Ein dickes Lob hatte Bär für das Ehepaar Jäger-Vosen parat. Die Qualität des Essens sei immer super gewesen – und das sage er nicht nur, weil es die Filmbude war. Besuche an der Wurstbraterei seien seine Ausflüge in die Currywurst-Pommes-Welt gewesen. Als gebürtiger Dortmunder sei er damit aufgewachsen, mittlerweile halte sich sein Wurst- und Fritten-Konsum in Grenzen.

In Kommern dürfte die Wurstbraterei eine Attraktion werden. Aber wo lassen Ballauf und Schenk nun ihre Fälle ausklingen? Womöglich doch weiter an der Kult-Bude. Jedenfalls teilte eine WDR-Sprecherin auf Anfrage des General-Anzeigers mit: „Die Produktionsfirma prüft, wie die Kommissare ihr geliebtes Ritual an der Wurstbude weiter pflegen können.“