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Kölner Silvesternacht: Kölner Polizei war an Silvester stark überfordert

Kölner Silvesternacht : Kölner Polizei war an Silvester stark überfordert

Die Kölner Polizei ist nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht mit der Opferbetreuung offenbar deutlich stärker überfordert gewesen als bislang bekannt.

Das legte die Zeugenaussage einer jungen Polizeikommissarin am Dienstag im Untersuchungsausschuss des Landtags nahe.

Die 24-Jährige war in der Silvesternacht in der Altstadtwache Stolkgasse als einzige Beamtin mit der Anzeigenaufnahme von Sexualdelikten betraut. Nach eigener Aussage nahm sie in der Nacht zum allerersten Mal überhaupt eine Straftat mit sexuellem Hintergrund auf. Sie habe während ihres Dienstes bis zum Neujahrsmorgen um sechs Uhr nur die Aufnahme einer einzigen „Beleidigung auf sexueller Basis“ auf dem Tisch gehabt, erklärte die Polizistin, die inzwischen beim Landeskriminalamt (LKA) arbeitet.

Von einer besonderen Einsatz-Dimension der Silvesternacht oder dem Bemühen um Verstärkung bei der Anzeigenaufnahme will sie nichts mitbekommen haben. „Ich habe meine Arbeit gemacht“, erklärte die Beamtin. Aufgearbeitet worden seien die Vorgänge der Silvesternacht auch später nicht. Der Ausschuss-Vorsitzende Peter Biesenbach (CDU) reagierte verärgert: „Ich empfinde Ihre Zeugenaussage als nicht ausreichend.“

Nach den bisherigen Zeugenaussagen müssen sich in der Silvesternacht Dutzende Frauen, zum Teil weinend, in der Wache Stolkgasse befunden haben. Aufgrund des hohen Anzeigenaufkommens dieser Nacht wurde am Neujahrstag eine WE-Meldung (Wichtiges Ereignis) für die Spitze der Landesregierung verfasst, in der bereits von mindestens elf sexuellen Übergriffen und nordafrikanischen Tätergruppen die Rede war.

Die für die Anzeigenaufnahme zuständige Polizistin will davon rein gar nichts mitbekommen habe. Wer die übrigen Anzeigen aufgenommen hat, blieb unklar. Sie habe sich mindestens zwei Stunden mit drei jungen Frauen beschäftigt, die nach Mitternacht auf der Wache erschienen waren und angaben, von ausländischen Männern im Hauptbahnhof sexuell bedrängt worden zu sein. Da eine der Frauen erst 17 Jahre alt war, habe sie mehrfach mit einer Vorgesetzten sowie der Kriminalwache Köln Rücksprache gehalten und außerdem die Familie des Opfers anrufen müssen.