1. Region
  2. Köln & Rheinland

Unerwarteter Geldsegen: Kölner Zoo erbt rund 22 Millionen US-Dollar

Unerwarteter Geldsegen : Kölner Zoo erbt rund 22 Millionen US-Dollar

Eine 93-jährige US-Amerikanerin wird nach ihrem Tod dem Kölner Zoo ein Vermögen von knapp 22 Millionen Dollar vererben. Sie war in der Nazizeit in die USA ausgewandert.

Unverhoffter Geldsegen aus Amerika: Die 93 Jahre alte Witwe Elizabeth Reichert will dem Kölner Zoo nach ihrem Tod 22 Millionen Dollar (18,5 Millionen Euro) vererben. "Das hat mich natürlich vom Stuhl gehauen", sagte Zoo-Vorstand Christopher Landsberg am Freitag. Anfangs habe er sogar geglaubt, da erlaube sich jemand einen Scherz. Seit knapp zwei Jahren bestehe der Kontakt mit der in Philadelphia lebenden gebürtigen Kölnerin. In dieser Zeit seien Frau Reichert alle Fragen rund um das Erbe geklärt worden, äußerte Landsberg in einer offiziellen Stellungnahme.

"Ich hoffe, dass sich Köln freut, you know", sagte die 93-Jährige dem Kölner Stadt-Anzeiger am Telefon im kölsch-amerikanischen Sprachmix. Die kinderlose Elizabeth Reichert stammt selbst aus Köln. Dort hatte sie 1944 den damals 20 Jahre alten Arnulf Reichertkennengelernt, der sich als Jude vor den Nazis verstecken musste. "Wir waren zwei arme Kölner Kinder“, berichtete sie dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Ein Jahr nach Kriegsende heiratete sie „diesen wunderbaren Menschen“ und wanderte mit ihm über Israel in die USA aus. Dort arbeitete sie zunächst als Friseurin, ihr Mann bekam einen Job bei einem Großhändler für Haustiere und Haustierbedarf in der Kaufhauskette Pomeroy's in Levittown (Pennsylvania).

In den 60er Jahren habe Arnulf Reichert dann die Gelegenheit beim Schopf gepackt, sich ein eigenes Unternehmen aufgebaut, und wurde reich.

Heimatstadt Köln nie vergessen

Man sollte meinen, dass die beiden das Land, in dem er um sein Leben hatte fürchten müssen, für immer hinter sich lassen wollten. Doch dem war nicht so: "Wir haben Köln nie vergessen", versicherte Elizabeth Reichert. Irgendwo seien sie sogar immer Kölner geblieben. Schon 1954 spendete das Ehepaar dem Kölner Zoo eine Weichschildkröte im Wert von 50 Mark, die sie bei einer Reise mit in die Domstadt brachten. Kurz vor Arnulf Reicherts Tod hätten sie dann entschieden, ihr Vermögen dem Zoo zu hinterlassen - denn der sei für Köln genauso wichtig wie der Dom. "Wenn man sich überlegt, wohin man sein Geld vererbt, spielen die Erinnerungen eine große Rolle", erklärte die Spenderin.

Damit die Stadt dem Zoo angesichts des Geldsegens nicht den öffentlichen Zuschuss in Höhe der Zuwendung zu kürzen, hat die Amerikanerin genau festgelegt, dass ihm das Geld zusätzlich zugute kommen muss. Das in Aktien angelegte Kapital soll in eine Stiftung mit dem Namen "Arnulf Reichert Foundation"fließen, der Zoo bekommt jeweils die Erträge. Man könne so vielleicht mit 600.000 bis zu einer Million Euro pro Jahr rechnen. "Es ist ein bisschen wie die Geschichte von der reichen Tante in Amerika von der man bislang nichts wusste", so Landsberg.

Geld soll in mehrere Zoo-Projekte fließen

Damit soll insbesondere das 1899 eröffnete und unter Denkmalschutz stehende "Alte Südamerikahaus" saniert und neu gestaltet werden. Dort sollen sich zukünftig in einer Regenwaldlandschaft Affen, Vögel und andere Tiere Mittel- und Südamerikas frei bewegen können. Zum Dank will der Zoo das historische Südamerikahaus nach Arnulf Reichert benennen. Ein Teil des Geldes wird auch den laufenden Artenschutzprogrammen zugute kommen, für die der Kölner Tierpark seit 2010 rund 1,2 Millionen Euro bereitgestellt hat.

Landsberg erzählte, er habe auch versucht, die alte Dame zu einem Besuch in Köln zu überreden. Aber das traue sie sich mit ihren 93 Jahren nicht mehr zu. So wird der Zoo für sie selbst eine schöne Erinnerung bleiben.