Dat is Rheinisch Han, sähten se, däten se et net, ävver krieje, sähten se, künnt sin, datt se et dähte

Rheinland · Der General-Anzeiger erklärt jede Woche eine rheinische Redensart, erläutert Bedeutung, Einsatzmöglichkeiten und Herkunft. Diesmal: Han, sähten se!

Das Produkt ist aktuell ausverkauft!

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Foto: Grafik: GA

Dem Rheinländer liegt nichts so fern wie umständliche Formulierungen. In der Regel fasst er sich kurz. Na ja, fast immer fasst er sich kurz. Aber am Ende kann es passieren, dass er, um einen Vorgang aus der Wirklichkeit sprachlich adäquat abbilden zu können, sich der Komplexität der rheinischen Mottersproch beugen muss. Denn in erster Linie lebt er regelkonform.

Und wenn ihm eine grammatikalische Regel den Weg versperrt, dann greift er schon mal zum Äußersten. Wir sprechen von der sogenannten „rheinischen Verlaufsform“. Die ist zu besichtigen in einem Satz, den uns ein sehr gescheiter Muttersprachler aus dem Bonner Umland anempfohlen hat. Aufgepasst!

21 a-, ä-, e-Vokale

Die Wendung lautet: „Han, sähten se, däten se et net, ävver krieje, sähten se, künnt sin, datt se et dähte“. Zugegeben, das ist ein rhythmisches Trommelfeuer, das seinen Zauber am allerschönsten entfaltet, wenn es schnell gesprochen ist. Dann kommen nämlich noch die Vokale zu Hilfe, immerhin enthält das kleine Sätzchen 21 a, ä und e. Ist man in der Lage, das rasend schnell zu sprechen, dann ist man auf jeden Fall ein Mundartsachverständiger.

Und man kann damit den einzigartigen klanglichen Reiz des Rheinischen demonstrieren. Wer die Wendung zum ersten Mal hört, dem dürften kurzzeitig die Sinne schwinden. Dann muss er sich fassen, konzentrieren und nochmal rekapitulieren. Auf gut Hochdeutsch bedeutet das wörtlich so viel wie: Haben, sagten sie, täten sie es nicht, aber kriegen, sagten sie, könnte sein, dass sie es täten!

Unsicherheit durch Rohstoffmangel

Inhaltlich sind wir an dieser Stelle bei einem ganz aktuellen Thema, dem Rohstoffmangel. Denn anders als in früheren Zeiten, sind immer wieder mal Dinge nicht verfügbar. Die etwas vornehmere Variante der Übersetzung könnte deshalb in etwa lauten: Das Produkt ist aktuell nicht verfügbar, aber es soll bald wieder reinkommen!

Und weil inhaltlich noch nicht ganz greifbar ist, wie sich die Produktsituation in der näheren Zukunft entwickelt, wendet der Mundartsprecher hier die rheinische Verlaufsform an. Tut mir leid, hier müssen wir kurz das Thema Grammatik erwähnen. In diesem Fall wird die Verlaufsform gebildet mit einer Form von „dun“ (tun) und dem Infinitiv.

Man kann nie wissen

Und genau das drückt den Sachverhalt aus: Wir wissen es nicht, vielleicht, könnte sein, mal sehen! Wenigstens weiß man dann, woran man ist. Nämlich, dass man nichts weiß! Und das ist doch schon mal besser als gar nichts.

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