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Leck bei Shell-Werk in Godorf: Kein Ölsee unter der Erde

Nach 300-Tonnen-Leck : Kein unterirdischer Ölsee bei Shell in Godorf

Auf einer Bürgerversammlung berichtete der Raffinerieleiter, wie Shell rund 300 Tonnen ausgelaufenes Gasöl beseitigt, die ins Grundwasser gelaufen sind. Kritik gab es von den Anwohnern aber nicht nur wegen diesem Vorfall.

„Es ist bedauerlich, dass wir heute Abend hier sein müssen“, stellte Shell-Raffineriedirektor Marco Richrath zu Beginn der Bürgerversammlung am Mittwochabend fest. Zusammen mit einem Bodengutachtern und einem Sicherheitsexperten informierte er über die im April entstandene Boden- und Grundwasserverunreinigung durch leichtes Gasöl (LGO), einem Vorprodukt von Krafstoffen.

Aus einer Leitung, die bei Straßenbauarbeiten innerhalb des Werksgeländes beschädigt wurde, waren über ein nur 1,5 Millimeter großes Loch rund 300 Tonnen LGO in den Boden gelangt. „Es könnten auch 30 Prozent mehr oder weniger sein“, erfuhren die Anwohner vom Geologen Michael Schubert, der die Auswirkungen des Lecks und den Ablauf der Folgenbeseitigung erklärte.

Seit Feststellung senkt Shell den Grundwasserspiegel innerhalb der inzwischen definierten Grenzen der Verunreinigung mithilfe dreier Tiefenbrunnen ab. Dabei entsteht ein Absenktrichter, in dem sich das auf dem Grundwasser schwimmende LGO sammelt und abgepumpt werden kann. Die Vorstellung, dass sich ein unterirdischer Ölsee angesammelt habe, sei zwar weit verbreitet, aber falsch, so der Geschäftsführer des Umweltberatungsunternehmens RSK Alenco.

Verunreinigung nicht außerhalb des Geländes

Die gute Nachricht sei, dass sich die Verunreinigung auf das Raffineriegelände beschränke und nicht mit dem Grundwasser in Bewegung sei. Nach wie vor sei unklar, wie lange das Leck unentdeckt geblieben war. Vollkommen unverständlich für einen Anwohner, der sich in anschließender Fragerunde wunderte, warum solche erheblichen Fehlmengen des Gasöls nicht aufgefallen waren. Ein anderer Besucher wunderte sich darüber, warum Shell Rohre verbaut habe, die rosten konnten.

Die Antworten seien nicht so einfach, wie man annehmen könnte, war die Antwort des Raffineriedirektors. Die Vorträge von Richrath, Schubert und Sicherheitsberater Christian Jochum vermittelten in ihrer detailreichen Darstellung zwar große Offenheit, konnten von den Zuhörern mangels Expertise aber kaum hinterfragt werden. Mit Karten, Diagrammen und Schautafeln wurde demonstriert, welch immenser Aufwand getrieben wird, um aus dem Ölunfall zu lernen.

Kritik wegen Lärm und Gestank

Das dargestellte Sanierungskonzept zur sukzessiven Beseitigung des Schadens schien die Anwesenden zunächst zu beruhigen. Erst als Anwohnerin Cornelia Friedrich kritisch anmerkte, dass die von Richrath angesprochene Transparenz des Unternehmens lediglich eine „Scheintransparenz“ sei, machte sich der Unmut der Godorfer über ihren emissionsstarken und lärmenden Nachbarn Luft. Man fühle sich wie „Nachbar zu Goliath“ merkte Vera Suhr an. Ihr Vorschlag, eine begrünte Mauer um das Raffineriegelände zu ziehen, soll die Raffinerie mit einer unverschämten E-Mail beantwortet haben.

Richrath bedauerte die Lärm- und Geruchsbelästigungen und versprach, den Beschwerden nachzugehen. Man habe auch Verständnis für das Problem der Anwohner, die durch Shell-Fremdarbeiter keine freien Parkplätze mehr in ihren Straßen fänden. Der Raffineriedirektor versicherte, weiterhin „mit aller Transparenz“ die Nachbarschaft zu informieren.