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Rheinische Redensarten: Mer kann net mache datte Essel süff

Rheinische Redensarten : Mer kann net mache datte Essel süff

Wir stellen schöne und sinntiefe Redewendungen des Dialektes vor. Diesmal: Mer kann ne Essel an et Wasse trecke, ävver net mache datte süff.

Ausnahmsweise müssen wir mal einen Trick anwenden, denn die rheinische Redensart, die wir hier zu besprechen haben, ist so lang, dass wir für die Überschrift eine sinngemäße Kürzung vorzunehmen haben. Der geneigte Leser möge das entschuldigen. Dafür werden wir allerdings entlohnt, denn wir treffen auf eine Formulierung, deren Bedeutungstiefe gar nicht überschätzt werden kann. Manch einer könnte behaupten, hier handele es sich lediglich um einen Erziehungstipp. Aber das ist falsch. Hier geht es an die Grundfesten des Menschlichen.

Der Esel ist auch im Rheinland störrisch

Die Redewendung lautet: „Mer kann ne Essel an et Wasse trecke, ävver net mache datte süff.“ Das ist Psychologie pur. Für Diejenigen, die sich später eingeschaltet haben, hier erst einmal die Übersetzung ins Hochdeutsche: Man kann einen Esel zwar ans Wasser ziehen, aber nicht zwingen, dass er auch säuft.

Hier drückt sich vordergründig eine gewissen Hilflosigkeit des Eselbesitzers aus – meist ein Bauer, der das Nutztier auf seinem Hof einsetzt. Dem Esel ja eilt der Ruf voraus, störrisch zu sein und nur seinem eigenen Willen zu folgen. Deshalb ist es logisch: Dort, wo man mit Kraft und Zwang etwas ausrichten kann, hilft vielleicht ein Seil, um das Tier ans Wasser zu ziehen.

Parallele zum Schulkind

Ob es aber tatsächlich das Maul öffnet und das Wasser trinkt, liegt nicht mehr in der Macht des Besitzers. Eltern mögen sich erinnert fühlen an die Hausaufgaben der lieben Kleinen. Man kann sie anhalten, das Buch vor die Augen zu nehmen, aber ob sie wirklich lesen und schließlich auch kapieren, ist nicht zu erzwingen. Da muss man schon etwas geschickter vorgehen. Kreativität ist gefragt.

Tatsächlich ist das Thema, wie oben schon angedeutet, weit größer. Denn kein Mensch lässt sich gerne zwingen zu etwas. Am liebsten möchte er selbst die Kontrolle behalten und die Richtung seiner Wege bestimmen. Dafür ist der störrische Esel ein schönes Symbol. Wer also einen Mitmenschen zu einer inneren Leistung anhalten will, der braucht wie auch immer Verhandlungsgeschick. Und auch hier geht es nicht mit Gewalt, sondern nur mit Kommunikation. Und idealerweise haben am Ende beide ihr angepeiltes Ziel erreicht.

Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de