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Merkel und Laschet im Flutgebiet: „Bad Münstereifel wird schöner als zuvor“

Besuch im Flutgebiet : Laschet: „Bad Münstereifel wird schöner als zuvor“

Schutt, Zerstörung, aber auch viele Helfer: In Bad Münstereifel ist die Altstadt verwüstet, die Aufräumarbeiten laufen. Bei einem Besuch machten sich Ministerpräsident Armin Laschet und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Bild von der Lage in dem Flutgebiet.

Wer in diesen Tagen nach der Flut in das sonst so malerische Bad Münstereifel kommt, sieht die verwüstete Altstadt, in ihr das zerstörte Bett der Erft und auch die Schuttberge. Er riecht diesen modrigen Geruch von all dem, was das Hochwasser durchnässt hat: Teppiche, Kleidung, Einrichtungsgegenstände. Aber er sieht auch viele kleine Bagger, Räumfahrzeuge und Transporter, mit deren Hilfe der Müll abgefahren wird. Da, wo Fahrzeuge nicht hinkommen, sind es Hunderte, darunter viele Soldaten, die lange Ketten bilden, um den Unrat wegzutragen.

Buchhändler Josef Mütter hat sich gefreut, dass ihm auch an diesem Morgen wieder zahlreiche, vornehmlich junge Leute unter die Arme gegriffen haben. „Die arbeiten wie die Blöden“, sagt er und fügt hinzu, „die Hälfte von denen kenne ich gar nicht. Das ist schon irre.“ Die Stimmung sei seit Samstag nicht schlechter geworden, sagt Mütter. Einer Reporterin des General-Anzeigers hatte er da schon von seiner Zuversicht erzählt, obwohl noch unklar war, ob das Haus stehen bleiben könne. Inzwischen ist die Sorge weg: Das Haus ist sicher, hat ihm sein Vermieter erzählt.

Keine verfängliche Geste vom Kanzlerkandidaten

Während der Buchhändler über seine Situation spricht, bauen vor dem, was einmal sein Schaufenster war, Mitarbeiter der NRW-Staatskanzlei zwei Pulte und eine Mikrofonanlage auf. Genau dort sollen am Nachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet über ihre Eindrücke aus dem zerstörten Teil Bad Münstereifels berichten. Was er davon hält, dass die beiden kommen? „Die Menschen brauchen so etwas, damit sie merken, man kümmert sich um sie“, sagt Mütter.

Ein paar Meter weiter steht ein Helfer und schüttelt den Kopf, als Journalisten ihre Kameras und Mikrofone in Stellung bringen. „Ob das alles sein muss?“, fragt er. Beim Ausräumen eines Gebäudes habe sich eine Journalistin sogar zwischen den Helfern gedrängelt. All das behindere doch mehr als es nutze.

Merkel ist inzwischen in der Stadt eingetroffen. Am Sonntag war sie in den rheinland-pfälzischen Orten Schuld und Adenau. Am Montag habe das Kanzleramt dann um eine Besuchsmöglichkeit in Bad Münstereifel nachgesucht, heißt es aus der Düsseldorfer Staatskanzlei. Laschet wird darüber nicht traurig gewesen sein. Mit der Kanzlerin lässt er sich von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian durch die Altstadt führen. Viele beobachten den Ministerpräsidenten und Unions-Kanzlerkandidaten genau. Lässt er sich wieder zu einer verfänglichen Geste hinreißen wie neulich einem Lachen beim Besuch des Bundespräsidenten in Erftstadt? Nichts dergleichen ist zu beobachten.

Laschet will augenscheinlich die Gunst der Stunde nutzen und sich an der Seite Merkels als Krisenmanager zeigen. Nordrhein-Westfalen werde das, was der Bund am Mittwoch an Hilfen bewilligt, am Donnerstag „verdoppeln“, kündigt er an. Zudem würden die Antragsformulare für die Hilfen noch in dieser Woche fertig, „ganz einfach wird es sein“.

Und dann zeigt sich der Ministerpräsident noch als Mann für Visionen: „Ich will alles dafür tun, dass Bad Münstereifel wiederersteht und dass es schöner wird als zuvor“. Von der Notwendigkeit der Vorsorge vor Starkwetterkrisen und -katastrophen spricht er und davon, dass er alles tun wolle gegen den Klimawandel. Er setzt die drei Wörter „vor allem global“ hinzu – und ist da ganz der Kanzlerkandidat.

Trost durch Solidarität

Merkel wird gefragt, ob sie es für sinnvoll halte, dass Bürger künftig per SMS gewarnt würden. Wenn der Mobilfunk ausfällt, gebe es auch keine SMS mehr, sagt sie, „vielleicht ist die gute alte Sirene doch nützlicher als wir gedacht haben“. Schon an der Ahr hatte sie angekündigt, dass der Bund umfangreiche Hilfen beschließen wird. Daher hält sie sich mit politischen Aussagen zurück. Sie spricht von „erschreckenden Schäden und entsetzlichen Zuständen“, aber auch der Solidarität der Menschen. Das tröste. Zudem steht bei ihr an diesem Tag das Danke im Vordergrund. Besonders denke sie an das Engagement vieler junger Menschen.

Diesen Satz könnte Josef Mütter auch unterschreiben. Er wird erst einmal seinen Laden wieder instandsetzen. Wie lange das dauert? Er weiß es nicht, er will es derzeit auch noch gar nicht wissen. Er gehe nur noch „Schritt für Schritt“, sagt er. Vor einer Woche habe er sich doch niemals ein solches Ereignis vorstellen können. „Es wird sich etwas entwickeln und das wird gut sein“, meint er zum Schluss.