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Kardinal hält Gutachten zurück: Missbrauchsbeauftragter: Woelki zerstört Vertrauen

Kardinal hält Gutachten zurück : Missbrauchsbeauftragter: Woelki zerstört Vertrauen

Die Kritik am Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hält an. Woelki will ein Gutachten, das die Rolle hochrangiger Kirchenvertreter bei der Verfolgung von Fällen sexuellen Missbrauchs beleuchtet, nicht veröffentlichen. Die Rufe nach einer Übernahme persönlicher Verantwortung Woelkis werden lauter.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat sich „erschüttert“ über das Verhalten des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki gezeigt. Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zurückhält, das die Rolle hochrangiger Kirchenvertreter bei der Verfolgung von Fällen sexuellen Missbrauchs beleuchtet.

„Dieses Verhalten diskreditiert den Aufarbeitungsprozess in der katholischen Kirche insgesamt und zerstört Vertrauen, das eigentlich zurückgewonnen werden müsste“, sagte Rörig dem „Spiegel“. „Das erschüttert mich.“ All die, die zur Vertuschung von sexualisierter Gewalt in der Kirche beigetragen hätten, „müssen benannt werden, auch was sie getan haben“, so Rörig. „Das ist der einzige Weg für die Kirche, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen.“

Laienvertreter kündigen Mitarbeit auf

Am Freitag hatte sich die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln weiter verschärft. Der Diözesanrat, die Vertretung der Laienvertreter, stellte sich offen gegen Woekli. „Es ist schier unglaublich, wie sich die Leitung des Erzbistums verhält“, kritisierte Tim Kurzbach, der Vorsitzende des Diözesanrats und Oberbürgermeister von Solingen (SPD). „Wir befinden uns in der größten Kirchenkrise, die wir alle je erlebt haben. Der Erzbischof von Köln hat als moralische Instanz versagt und zeigt bis heute keine Haltung.“

Als Konsequenz setzt der Diözesanrat seine Mitarbeit am sogenannten Pastoralen Zukunftsweg aus, einem von Woelki initiierten Programm zur Neuorganisation der Gemeinden im Erzbistum. Zudem forderten die Laienvertreter die „sofortige Übernahme von persönlicher Verantwortung“.

Woelki ist sich keiber Schuld bewusst

Von Woelki hat man zur Kritik bisher kaum etwas gehört - bis auf eine kurze Stellungnahme in der Christmette, in der er die Gläubigen um Verzeihung dafür bat, dass sie ständig Kritik an ihrem Erzbischof erdulden müssten. Ein ehemaliger Mitarbeiter Woelkis sagt, der Kardinal sei sich keines Fehlverhaltens bewusst, sondern glaube an eine Verschwörung der Medien: „Es sind die Journalisten, die ihm Böses wollen, weil er innerkirchlich so konservativ ist.“

Der Diözesanrat hofft, dass sich Woelki nun nicht länger verkriecht, sondern endlich Stellung bezieht. „Ich hoffe doch sehr, dass dieser schwerwiegende und bedeutsame Schritt zu einem Überdenken der bisherigen Strategie führt“, sagte Kurzbach. „Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, sich hinter Akten zu verschanzen, auf juristische Gutachten oder auf Rom zu warten. Jetzt muss hier im Bistum Köln gehandelt werden.“

Ob es aber tatsächlich dazu kommt, ist die Frage. Ein Erzbischof kann nicht abgewählt werden - nur der Papst könnte ihn entthronen. Im Vatikan aber soll die Kölner Eminenz über beste Verbindungen verfügen.

(dpa)