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Nahverkehr in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis: Wie pünktlich sind die Züge

Öffentlicher Nahverkehr : So pünktlich sind die Nahverkehrszüge in Bonn und der Region

Der aktuelle Qualitätsbericht zum Regionalverkehr weist leichte Verbesserung bei Pünktlichkeit und Ausfällen in Bonn und der Region aus. Genug Probleme gibt es aber weiterhin.

Verspätungen, Zugausfälle, Sitzplatzmangel und fehlende Informationen. Das Leben als Bahnpassagier kann ziemlich mühsam und nervenaufreibend sein. Einmal im Jahr wird die Gefühlslage der Reisenden mit Zahlen unterlegt – wenn der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) seinen Bericht zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zwischen Eifel, Rheinland und Bergischem Land vorlegt.

■ Gesamtfazit: 2019 hat es laut NVR bei den zentralen Kriterien wie Pünktlichkeit, Zugausfällen und Kapazität moderate Verbesserungen gegeben. 2018 seien noch Verschlechterungen verzeichnet worden. Erhoben werden die Daten von den Eisenbahnunternehmen. Die leicht verbesserten Werte führt NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek auf Verbesserungen im Gesamtnetz zurück. „Mittlerweile tragen die Investitionen in den Ausbau der Schieneninfrastruktur und das Fahrzeugmaterial die ersten Früchte“, sagt er. Der Fuhrpark habe vergrößert werden können, sodass sich der Betrieb stabilisiert habe. Zudem greifen laut Sedlaczek verbesserte Konzepte bei Baustellen und Wetterereignissen. Im Bericht finden sich auch viele Daten zu den Zügen, die in der Region fahren.

■ Pünktlichkeit:  Laut Bericht ist die durchschnittliche Verspätung der Züge im NVR-Gebiet von 2,16 Minuten im Jahr 2018 auf 2,01 Minuten in 2019 zurückgegangen. Dennoch bleibe die Lage teilweise angespannt, beispielsweise auf der linken Rheinstrecke zwischen Köln und Bonn. Das belegten etwa der unter anderem in Bonn-Hauptbahnhof haltende Regionalexpress (RE) 5 mit durchschnittlich gut vier Minuten Verspätung sowie die Regionalbahn (RB) 26, die auch in Roisdorf und Sechtem hält, mit im Mittel knapp vier Minuten Verspätung. Allerdings hat sich die Lage beim RE 5 deutlich verbessert, hatte die durchschnittliche Verspätung laut Bericht 2018 und 2017 noch bei jeweils mehr als fünf Minuten gelegen. Rechtsrheinisch kam etwa der entlang der Sieg fahrende RE 9 im Durchschnitt auf rund zweieinhalb Minuten Verspätungen, der etwa durch Königswinter und Bad Honnef fahrende RE 8 sogar nur auf gut anderthalb Minuten. Abgerechnet wird die Verspätung beim NVR übrigens sekundengenau. Bei bestimmten Unternehmen gilt ein Zug noch als pünktlich, obgleich er einige Minuten zu spät unterwegs ist.

■ Zugausfälle: Gründe für Zugausfälle sind defekte Fahrzeuge, Personalengpässe, aber auch Baustellen auf den Strecken. So hatte beispielsweise der RE 8 unter der Dauerbaustelle für den Ausbau der S 13 zwischen Troisdorf und Bonn zu leiden. Rund neun Prozent aller Verbindungen waren 2019 ausgefallen; gut zwei Prozent ersatzlos, es fuhren also auch keine Ersatzbusse. Die Baustelle beeinträchtigte auch die RB 27 (mit Halt unter anderem in Beuel und Bad Honnef). Die Folge: gut sieben Prozent Ausfall, davon drei Prozent ersatzlos. Linksrheinisch sticht die RB 26 negativ hervor. Wegen massiver Personalengpässe wurde ab Juli 2019 ein Ersatzfahrplan eingerichtet. Dessen Ergebnis: Rund elf Prozent aller Fahrten fielen aus, davon fast neun Prozent ersatzlos.

Verbesserungen hat es laut NVR-Bericht etwa bei der S 23 (Bonn-Euskirchen) gegeben. 2018 hatte die Ausfallquote noch bei rund 2,5 Prozent gelegen (rund 1,5 Prozent ersatzlos). 2019 betrug sie rund 1,5 Prozent (rund ein Prozent ersatzlos). Ein Zug gilt beim NVR nach Angaben von Sprecherin Jessica Buhl übrigens als ausgefallen, wenn er mehr Verspätung als sein Takt aufweist; also etwa bei mehr als 30 Minuten, wenn die Verbindung für gewöhnlich einen 30-Minuten-Takt fährt.

■ Kapazität: Eng wird es in den Zügen, wenn weniger Wagen fahren sind als eigentlich vorgesehen. Schlecht kommt da etwa der RE 8 weg mit fast vier Prozent Ausfall der vereinbarten Leistung. Noch schlimmer war die Situation 2019 bei der durchs Vorgebirge fahrenden RB 48: Dort lag die Ausfallquote bei fast fünf Prozent. Laut NVR bedingte sich das durch den dauer­haften Ausfall von drei verunfallten Fahrzeugen, der nur teilweise durch zusätzlich angemietete Fahrzeuge ausgeglichen werden konnte. Den Bestwert hatte die zur Ahr fahrende RB 30. Auf dieser Linie lag der Kapazitätsausfall bei deutlich unter einem Prozent.

■ Fahrzeuge: Hier schaut der NVR unter anderem auf gemeldete Störungen von Toiletten und Klimaanlagen. Bei den WC-Anlagen fällt der RE 9 deutlich negativ auf. Auf rund fünf Prozent aller Fahrten gab es Störungen bei den Toiletten. Der NVR meint, dass dies unter anderem aus dem Fahrzeugkonzept (Doppelstockzüge mit hoher Anzahl von Toiletten je Zug) resultiere. Dadurch steige wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens eine WC-Anlage defekt sei. Bei den Klimaanlagen findet es der NVR im Bericht „bemerkenswert“, dass es auf der RB 26 „keine meldepflichtigen Funktionsschäden“ gegeben habe. Störungen an den Außentüren führen nicht selten zu Verspätungen. Auch hier sticht der RE 9 hervor. Begründung: „Die Türen der zunehmend eingesetzten Doppelstockzüge zeigen sich vergleichsweise anfällig für Störungen.“ Darüber hinaus sind Türdefekte auch bei der RB 30 und der S 23 ein größeres Problem.

■ Fahrgastzahlen: „Die Gesamtentwicklung der Nachfrage ist auch 2019 positiv, der Trend der steigenden Fahrgastzahlen hält weiter an. 2019 ist bereits das fünfte Jahr in Folge mit einem Wachstum“, heißt es. Auf das Jahr gerechnet wurden 2019 rund 163 Millionen Personen im SPNV auf NVR-Gebiet befördert, was einem Plus von rund 1,4 Prozent im Vergleich zu 2018 entspricht. Eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen gab es auf der bis Au (Sieg) fahrenden S 19 (+ 39,5 Prozent), stärker rückläufig waren sie auf RB 26 (- 7,5 Prozent).

Für 2020 ist bereits klar, dass die Fahrgastzahlen wegen der Corona-Pandemie in den Keller gehen werden. Zwischenzeitlich hatte der NVR nur ein Viertel des üblichen Reisendenaufkommens vermeldet. Grundsätzlich sind laut Sedlaczek weitere Anstrengungen für ein gutes Angebot notwendig. „Nur der dringend notwendige weitere Ausbau der Infrastruktur kann zu langfristigen Verbesserungen führen“, meint er.

Den Qualitätsbericht des NVR gibt es hier.