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Henriette Reker: Neue OB will mit Köln in die Top-Liga

Henriette Reker : Neue OB will mit Köln in die Top-Liga

In Köln weht ein frischer Wind. Als erste Frau und als erste Parteilose geht Henriette Reker nun offiziell als OB an den Start. Und erstmals kommt es zum Experiment Minderheitsregierung. Fragile Sache, sagen manche. Reker will in die „Champions League“.

Eine ungewöhnliche Oberbürgermeisterin und ein politisches Experiment: Köln lässt aufhorchen. Die neue OB Henriette Reker weiß, was sie will für ihre Millionenstadt. Ein besseres Image und wieder zurück in die „Champions League“ der Metropolen. Und die Rathauschefin weiß, was sie nicht will. „Ich möchte nicht reduziert werden auf das Attentat“, sagt sie der dpa kurz vor ihrer Vereidigung am Dienstag. Als erste Frau und erste parteilose Politikerin steht die 59-Jährige nun an der Spitze der viertgrößten deutschen City. Und diese wagt - wohl beispiellos unter den Großstädten bundesweit - eine Minderheitsregierung.

Das Image aufzupolieren, liegt Reker am Herzen. „Köln wird in der Außenwahrnehmung häufig nur mit Dom und Partystadt verbunden. Das ist viel zu wenig. Ich möchte, dass Köln im Ranking wieder dahinkommt, wo es hingehört.“ Man habe vor allem in der Kultur vieles anzubieten und wolle wieder in einem Atemzug genannt werden mit Berlin, Hamburg und München. Und Reker schaut über den Tellerrand. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zollt sie für ihre offene Flüchtlingspolitik ohne Obergrenzen Respekt: „Ich habe da große Hochachtung, weil sie ja in ihrer Partei auch Stimmenverluste in Kauf nimmt.“

Die zierliche Politikerin steht vor gewaltigen Baustellen. Köln ist milliardenschwer verschuldet. Die To-do-Liste ist lang - in punkto Wohnungsbau, Verkehr, Bildung, Wirtschafts- oder Kulturförderung. „Man kann sich meinen Arbeitsalltag aber nicht so vorstellen, dass ich nach einer Liste vorgehen würde, das hier ist auch trouble shooting“, sagt sie. Wie agieren Frauen in politischen Spitzenämtern? „Sie sind sachbezogen, suchen pragmatische Lösungen, sie hören zu, lassen sich auch beraten, sind aber nicht so gut im Networking.“

2015 war schon ein Krimi für Köln - und es könnte spannend bleiben. Nach langem Hin und Her hinter den Kulissen soll das politische Patt im Stadtrat beendet werden, CDU und Grüne zimmern jetzt an einem Minderheitsbündnis. „Ich bin sehr skeptisch, ob es gelingt, immer von Thema zu Thema Mehrheiten zu suchen und punktuell zu koalieren“, sagt Politikwissenschafter Klaus Schubert. „Auf Dauer dürfte das für eine so große und komplizierte Stadt schwer werden.“ Das angestrebte Konstrukt sei „fragil“, und in deutschen Metropolen habe es bisher keinen vergleichbaren Fall gegeben.

NRW-CDU-Chef Armin Laschet begrüßt den „Politikwechsel“, der nur ohne die SPD funktioniere, die nun in die Opposition geschickt wird. „Jahrelanges parteipolitisches Agieren“ habe verhindert, dass die Stadt ihr volles Potenzial nutzen konnte. Die neue Rathauschefin betont: „Köln ist eine experimentierfähige Stadt.“ Und: „Ein festgefügtes Durchregieren mit festgefügten Vereinbarungen entspricht (...) nicht dieser flexiblen und lebendigen Stadt.“ CDU, Grüne und FDP hatten Reker in ihrer OB-Kandidatur unterstützt.

Als Konsequenz auf das lebensgefährliche, fremdenfeindlich motivierte Attentat wird die Politikerin bei öffentlichen Auftritten von Bodyguards geschützt. Weitere Folge: „Ich war immer schon massiv gegen Fremdenfeindlichkeit. Aber diese Attacke am 17. Oktober, die macht mich regelrecht allergisch dagegen - schon gegen solche Sprüche oder Aufwiegler, die Ängste schüren, um Wählerstimmen zu bekommen“, schildert Reker. Sie werde nicht auf Bürgernähe verzichten. Optimistisch sagt sie: „Keiner fällt einem Attentat zweimal zum Opfer.“ Auch ins anstehende närrische Getümmel will sie sich stürzen: „Ich bin ein Karnevalsjeck.“