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Rheinische Redensarten: Pass op, süss küsste en de Blech

Rheinische Redensarten : Pass op, süss küsste en de Blech

Wir stellen schöne und sinntiefe rheinische Redewendungen vor. Heute: Pass op, süss küsste en de Blech.

Gelegentlich erhalten wir von unseren Lesern konkrete Rechercheaufträge, oder sagen wir: Wünsche. Denn auch Dialektsprecher kommen schon mal in die Situation, dass sie einen Satz zwar regelmäßig richtig anwenden, aber ohne genau zu wissen, was einzelne Begriffe bedeuten und wie sich eine Redewendung zu dem entwickelt hat, was sie ist.

Geradezu einen Prototyp dessen haben wir vor uns in der rheinischen Redensart: „Pass op, süss küsste en de Blech:“ Da ist zunächst einmal guter Rat teuer. Zwar ist die Übersetzung ins Hochdeutsche für jeden Mundartkenner einfach, die Erklärung dazu ist aber höchst kompliziert und aufschlussreich. Der Satz bedeutet: Pass auf, sonst kommst du ins Gefängnis!

Blech heißt Gefängnis

Hier wird also das Wort Blech mit Gefängnis übersetzt. Aber warum ist da so? Waren früher die Gefängniszellen aus Blech? Ganz falsch! Die fachkundige Erklärung liefert uns Adam Wrede in seinem Kölnischen Sprachschatz, übrigens ein neu aufgelegtes Wörterbuch von unschätzbarem Wert für die Dialektforschung.

An der Ecke Schildergasse/Krebsgasse in Köln stand ein Gebäude, das von 1637 bis 1802 als Kloster des Klarissenordens diente. Dann war es vom Blechschläger Alexander Hittorf, genannt „blechene Alexander“, gekauft und vom Baumeister Butz zum — heute würde man sagen: Frauenknast — umgebaut worden. Aus der Namenskombination beider Herren ist der Ausdruck „Bleche Botz“ entstanden, was ja im Dialekt wiederum so viel heißt wie blecherne Hose. Der neue Name stand schon bald in Köln und Umgebung als volkstümlicher Name für ein Gefängnis. Dann brauchte es nur noch eine Portion Faulheit, und man kürzte den Ausdruck zu „Blech“ ab.

Aus Einzelfall wird Gattungsbegriff

Zugegebernmaßen ist diese Wortherkunft, oder vornehmer ausgedrückt: ethymologische Herleitung, etwas ganz Besonderes. Ohne die Geschichte dazu gäbe es keinen vernünftigen Erklärungsansatz. Andererseits ist es sprachentwicklungstechnisch nicht untypisch, dass sich ein Gattungsbegriff von einer Einzelbezeichnung herleitet. Viele sagen etwa zu einem Papiertaschentuch jeglicher Herkunft heute „Tempo“.

Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de