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Rheinische Redensarten: Plöck ens hee e Höörche

Rheinische Redensarten : Plöck ens hee e Höörche

Der GA stellt schöne und bedeutungstiefe Redewendungen vor.

Wenn es ums Geld geht, wird der Rheinländer schmallippig. Er weiß, dass Sparen eine Tugend ist. Und so drehen sich etliche Redewendungen um dieses Problemfeld. Denn die Kernaussage ist immer: Wir haben es (das Geld) nicht vom Ausgeben, sondern vom Behalten.

Und das gilt eigentlich für alle gesellschaftlichen Schichten. Für die, die ohnehin nichts haben, aber schon immer auch für die, die nicht auf den Pfennig gucken müssen. Denn: Geiz ist geil. Die Lebenserfahrung sagt: Wenn man erst einmal den Fuß von der Bremse nimmt, dann ist schnell alles aufgebraucht. Selbst wenn es viel war.

Die Innenfläche der Hand

Und weil dies zum Allgemeinwissen gezählt werden kann, ist folgende Gesprächverlauf nicht selten. Die Mutter sagt der Tochter: „Plöck ens hee e Höörche!“ Dabei streckt sie ihr die Innenfläche der rechten Hand entgegen. Die hochdeutsche Übersetzung und lautet: Pflück mal hier ein Härchen. Es liegt auf der Hand, oder der Handinnenfläche, dass dort kein Härchen wächst und somit auch nicht zu pflücken ist.

Die Frage nach dem Kirmesgeld

Die Mundartsprecherin, die uns diese Redewendung vorgeschlagen hat, erinnert sich so: „Zu diesem Dialog kam es, wenn bei uns in Dottendorf die Kirmes stattfand. Dann fragten die vier Kinder die Mutter nach Kirmesgeld. Weil aber die Hausfrau bei der Verwendung des Haushaltsgeldes scharf kalkulieren musste, gab sie den Kindern mit dem Ausspruch und der Geste zu verstehen, bei ihr sei nichts zu holen. Sie mussten also warten, bis der Vater abends von der Arbeit nach Hause kam in der Hoffnung, von ihm etwas zu bekommen.“

In diesem speziellen Fall galt der Vater nicht nur als Geldgeber, sondern war auch „Gelderheber“ der Stadtwerke Bonn. Das heißt er war Kassierer der Strom-, Gas- und Wasserrechnungen der Privathaushalte und hatte praktischerweise immer Bargeld verfügbar (auch wenn er das dann aus eigenen Beständen wieder auffüllen musste). Ob er dem Wunsch allerdings tatsächlich regelmäßig nachkam, ist nicht überliefert.

Die gesammelten Kolumnen gibt es im Buch „Rheinisch für Fortgeschrittene“. Hören Sie auch unseren Podcast „So geht Rheinisch“, abrufbar auf allen Medienplattformen und unter www.ga-bonn.de/podcast. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns unter rheinisch@ga.de