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Das ist Rheinisch: Plümmo, Trottewar un Paraplü

Das ist Rheinisch : Plümmo, Trottewar un Paraplü

Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal ist es: Plümmo, Trottewar un Paraplü.

Zu den weit verbreiteten Sprachlegenden des Rheinlandes gehört, dass der hiesige Dialekt so viele französische Lehnwörter konserviert hat, seit die Franzosen im frühen 19. Jahrhundert das Gebiet um Köln herum besetzt hatten. Wir erinnern uns: 1794 rückten die französischen Revolutionstruppen unter Napoleon auf die Freie Reichsstadt vor und nahmen sie ein. Erst 1815 endete die Besatzungszeit.

In den gut 20 Jahren dazwischen installierten die Franzosen ihre Verwaltungsstruktur und hinterließen erkennbar Spuren in der Umgangssprache. Aber stimmt das so? Ist das der ausschlaggebende Grund für die Lehnwörter “Plümmo, Trottewar un Paraplü”, die man ins Hochdeutsche zu übersetzen hat mit: Oberbett, Bürgersteig und Regenschirm. Aus der deutschen Amtssprache sind die Französismen im Laufe der Zeit verschwunden, denn je mehr man die Nachbarn durch feindselige Augen betrachtete, desto entschlossener vermied man die Lehnwörter von drüben.

Lehnwörter nur noch im Dialekt

Nur im Dialekt, dessen Sprecher seit jeher Neuerungen eher ablehnend gegenüber standen, blieben viele dieser Begriffe erhalten: Malör, Lamäng, Schäselong, plümerant, malad und Fassong. So findet sich auch heute noch das Plümmo als vorherrschender Dialektbegriff für die Federbettdecke im Gebiet zwischen Blankenheim und Dormagen, zwischen Waldbröl und Stolberg. Im geografischen Zentrum dieser Wortwolke liegt übrigens Erftstadt und nicht Köln, aber das ist nur eine besserwisserische Gedankenspielerei.

Weniger Einfluss als gedacht

Tatsächlich hatte die Franzosenzeit weit weniger Einfluss auf das Einwandern französischer Begriffe, als allgemein angenommen. Denn schon seit dem Mittelalter galt die französische Lebensweise als Vorbildkultur in Europa.

Zur Zeit des Absolutismus avancierte dann das Französische zur allgemeinen Sprache des Adels bei Hofe. Wer also etwas auf sich hielt, parlierte Französisch. Deshalb hat sich nicht nur im rheinischen Dialekt so manche Sprachphrasierung unseres Nachbarlandes erhalten, sondern etwa auch in der Pfalz und im preußischen Berlin. Klüngel und Bützjer sind also eher dem Sonnenkönig zu verdanken als Napoleon. Den rheinischen Demokraten wird das nicht unbedingt freuen.

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