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Buchsbaumzünsler: Raupen nagen am Weltkulturerbe in Brühl

Buchsbaumzünsler : Raupen nagen am Weltkulturerbe in Brühl

Der Buchsbaumzünsler hat es auf den barocken Garten des Brühler Schlosses abgesehen. Acht Kilometer Buchsbaumhecken gilt es hier vor dem eingeschleppten Schmetterling zu schützen.

Für die kleinen, gelb-grünen Raupen muss es wie das Paradies sein: Rund acht Kilometer Buchsbaumhecken schlängeln sich durch das barocke Gartenparterre des Brühler Schlossparks – und auf die haben die Nachkommen des Buchsbaumzünslers es ihrem Namen getreu abgesehen.

Der eingeschleppte ostasiatische Schmetterling macht seit einigen Jahren in der Region so manchem Buchsbaum den Garaus, weil seine bis zu fünf Zentimeter großen Raupen zuerst die Blätter und dann die Rinde anfressen. So ist, wie berichtet, auch der Pflanzenbestand in Bonner Gärten und Parkanlagen gefährdet. Im Brühler Schlosspark, der zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, spielt der Erhalt der Buchsbäume eine besondere Rolle – immerhin prägten solche hier schon im 18. Jahrhundert zu Zeiten von Kurfürst Clemens August das Bild, wie der gärtnerische Leiter Ufuk May erklärt.

Die sogenannten Broderien – vom französischen Wort 'broderie' für Stickerei – sind Zierbeete, in denen die Buchsbaumhecken rund um Fontänenbecken verschiedene Ornamente bilden. Die Muster sind laut May noch nach den Originalplänen des Gartenkünstlers Dominique Girard angelegt, der ab 1728 das Brühler Gartenparterre entwarf. Insofern gehe es bei den Bemühungen, den Buchsbaumzünsler in Schach zu halten, auch um Denkmalschutz, erklärt May.

Ein Bakterium hilft gegen den Schädling

Möglichst kurz, im Idealfall auf 15 mal 15 Zentimeter, schneidet das Gärtnerteam die Buchsbaumhecken. „So wollen wir dem Zünsler die Grundlage nehmen, er hat dann nicht viel Platz, sich zu verstecken“, erläutert der gärtnerische Leiter. Ohne Pflanzenschutzmittel, die nach Absprache mit dem Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer zum Einsatz kämen, gehe es aber nicht.

Eine biologische Schädlingsbekämpfung erfolge mit dem Bakterium „Bacillus thuringiensis“, der das Tier direkt angreife, für den Menschen aber ungefährlich sei. Alle zwei Wochen müsse derzeit gespritzt werden, ergänzt Mitarbeiter Dieter Wonneberger. Einige Buchsbäume hätten in der Vergangenheit aber dennoch ausgetauscht werden müssen.

2016 sei der Befall besonders hoch gewesen, „jetzt fängt es gerade erst an“, sagt May. „Auch wenn der Zünsler sehr aggressiv ist, bekommen wir ihn aber noch ganz gut bekämpft.“ Das Problem sei, dass ein Pilz von den Schäden profitiere, die die Raupen anrichten und die Buchsbäume dann zusätzlich von Braunfäule befallen würden: „In die offenen Wunden, die der Zünsler schafft, kommt der Pilz leichter rein“, erklärt May. Insofern setzt das Gartenteam auch auf Prävention: Mit Biodünger werden die Pflanzen gestärkt, denn die Raupen suchten sich zunächst die schwächeren Exemplare aus.

Aber auch Testpflanzungen mit Blick auf einen möglichen Ersatz für die Buchsbäume – sollten sie auf lange Sicht nicht zu retten sein – sind bereits angelegt: Ein Eibengewächs (Taxus) wird im Schlosspark auf seine Eignung geprüft. Andernorts setze man auf Stechpalmen (Ilex), berichtet May. Er habe aber von Kollegen gehört, dass der Zünsler auch auf solche Ersatzpflanzungen gegangen sei.

In Alfter und Bornheim tritt der Zünsler auf Friedhöfen auf

Auch in Bornheim und Alfter hat die Schmetterlingsraupe bereits Spuren hinterlassen – hier spielt sie auf den Friedhöfen eine Rolle. In Bornheim hilft man sich inzwischen mit anderen Pflanzen, so Stadtbetriebsvorstand Ulrich Rehbann: „Auf allen Friedhofsanlagen wurden die Buchsbäume sofort entfernt, sobald die ersten Anzeichen von Befall zu erkennen waren und in der Regel weitestgehend durch Kirschlorbeer ersetzt.“ Probleme hätten aber zum Teil noch Privatleute, die Buchsbäume auf den Gräbern gepflanzt haben.

Auch in Alfter gehe es nur um private Gräber, da die Gemeinde keine Buchsbaumhecken auf Friedhöfen habe, teilt Pressesprecherin Maryla Günther mit. „Um dem gefräßigen Zünsler keine Chance zu geben, sich noch weiter auszubreiten, dürfen die Überreste der Pflanzen unter keinen Umständen in den Grüncontainern auf den Friedhöfen oder auf dem Kompost im eigenen Garten entsorgt werden“, warnt sie. „Dort überlebt der Schädling und sucht sich neue Buchsbäume zum Kahlfressen.“